Die Logik der Schmerzen Institut für Biokinematik Die Biologische Kinematik
 
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Walter Packi
Arzt für Allgemeinmedizin
Begründer der Medizin nach der Biokinematik


 


Wozu die Bandscheiben gut sind

Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären ein Fisch und hätten keine Bandscheiben. Sie schweben im Wasser und wollen vorwärtskommen. Wie wollen Sie die Schwimmbewegungen ohne Bandscheiben zustandebringen? Die linke Körperhälfte verkürzen, dann die rechte Körperhälfte verkürzen, das immer im Wechsel einmal rechts und einmal links damit Ihre Schwanzflosse Sie kraftvoll und schnell durchs Wasser schieben kann. Wie sollte das möglich sein, wenn Sie keine Bandscheiben als Bewegungszentrum hätten?

Das Wirbeltier, also auch der Mensch, besteht in seinem Bewegungsapparat eigentlich aus zwei Körpern; aus einem linken Körper und aus einem rechten Körper. Der linke Körper ist zum rechten Körper spiegelsymmetrisch gleichartig gebaut. In der Mitte sind diese beiden Körper zusammengewachsen. Die Symmetrieebene geht mitten durch die Wirbelsäule. Zwischen diesen beiden Körpern gibt es keine einzige muskuläre Querverbindung, keine nervöse Querverbindung und auch sonst keine Verbindung von links nach rechts. Und trotzdem arbeiten diese Körper gemeinsam wie ein einziger Körper.

Das funktioniert dadurch, daß beiden Körpern eine gemeinsame Steuerung, das Gehirn, aufgesetzt ist und daß es eben Bandscheiben gibt.

Die einzigen Bauteile die den beiden Körperhälften gleichzeitig gehören, welche sich die linke und die rechte Körperhälfte in der Benutzung teilen, das sind auf der Hinterseite des Körpers die Bandscheiben und auf der Vorderseite des Körpers die Schambeinfuge und die Rippenknorpel. Die Bandscheibe wird so zum Bindeglied zwischen der linken und der rechten Seite.

Wie beim Fisch deutlich zu sehen ist, ist das Wirbeltier in seinem Grundmuster segmentiert aufgebaut. Alle Segmente hintereinandergereiht ergeben den gesamten Körper. Im Laufe der Evolution wurden verschiedene Segmente zu speziellen Funktionen zusammengefaßt und in ihrer Form verändert. So entstanden die Glieder mit deren einschlägigen Eigenschaften (Arme, Flügel, Beine). In der Wirbelsäule, den Rippen und den Schwanzwirbeln ist dieses Grundmuster gut zu erkennenBandscheibe Ichtys

SaurierbandscheibeWenn der Hund mit seinem Schwanz wedelt, oder wenn der Fisch sich auf eine Seite krümmen will, dann braucht er hierzu einen stabilen Mittelpunkt um den herum er drehen kann. Denn nach einer Hin-Bewegung muß auch die Rückbewegung zustandekommen. Wenn zwei oder mehr Segmente sich auf einer Seite zusammenziehen, dann muß die andere Seite dieser Segmente nachgeben. Der Mittelpunkt, um den herum sich diese Segmente bewegen, das ist die Bandscheibe. Ohne Bandscheibe ist keine Rechts-Links-Bewegung möglich. Ohne Bandscheibe kann kein Hund mit seinem Schwanz wedeln. > Bandscheibe vom Ochsenschwanz

Die Wirbelknochen, die zwischen den Bandscheiben liegen, sind ja als Knochen in sich unbeweglich. Sie dienen als Gerüst, um die Muskeln daran anzuheften. Nimmt man die Wippschaukel als Vergleich, dann sind die Wirbelknochen das Brett der Wippe und die Bandscheiben der Lagerbock für dieses Brett. Viele solche Wippen übereinandermontiert ergeben dann die gesamte Wirbelsäule.

Der entscheidende Teil der Wirbelsäule ist damit die Bandscheibe, denn diese gibt der Wirbelsäule mit ihren Segmenten die Beweglichkeit.

Die Fische können im wesentlichen Rechts-Links-Bewegungen und Längsrotationen durchführen.

Die vierbeinigen Wirbeltiere können im wesentlichen Rechts-Links-Bewegungen, Längsrotationen und zusätzlich Beuge- und Streckbewegungen durchführen.

Der zweibeinige Mensch kann am meisten. Er kann die Rechts-Links-Bewegungen, er kann die Längsrota-tionen und er kann im gleichen Umfang nach vorne beugen, wie auch nach hinten beugen. Seine Glieder sind nicht wie beim Vierbeiner an der Vorderseite des Rumpfes angeordnet sondern seitlich parallel zur Längsachse der Wirbelsäule. Dies ermöglicht ihm den aufrechten zweibeinigen Gang. Verliert die Wirbelsäule ihre Beweglichkeit, weil z.B. einige Bandscheiben hart geworden sind, womöglich durch Stahl ersetzt wurden oder die bewegende Muskulatur im Streik liegt, dann geht damit die Fähigkeit zum Aufrichten und zum zweibeinigen Gang verloren. Der Betroffene merkt dies an charakteristischen Schmerzen, denjenigen diversen Schmerzen eben, die mehr oder weniger mit diesen Bandscheibenbewegungen zu tun haben. Es ist jedoch nicht die Bandscheibe, die die Schmerzen macht, sondern die pathologische Bewegung in der Nachbarschaft dieser Bandscheibe. Wer die Bandscheibe operiert, statt die Bewegung zu richten, der hat den biologischen Sinn der Wirbelsäule nicht verstanden.

Eine schmerzbezogene Therapie, die die bereits bestehende schlechte Situation durch noch mehr Versteifung beheben will, macht alles nur noch schlimmer. Denn solange der Mensch am Leben ist, will und muß er bewegen. Wenn der Mensch im Grabe liegt, dann braucht er nicht mehr bewegen. Solange dies noch nicht der Fall ist, kann nur die Steigerung oder Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit als Therapie bezeichnet werden. Die heute übliche Versteifungstaktik ist dies nicht. Die Folgen für die Betroffenen sind letztlich auch nicht sehr lustig.

Walter Packi
Arzt
(Mrz. 2005)