Die Logik der Schmerzen Institut für Biokinematik Die Biologische Kinematik
 
Bandscheiben wofür
Bandscheibenbilder
Bandscheibenschaden
Bandscheibenübung
Bandscheibenvorfall  akut
Der Kreuzschmerz
DinoBandscheibe
 

Walter Packi
Arzt für Allgemeinmedizin
Begründer der Medizin nach der Biokinematik


 

Fakten und Wissensbasis

Zu jeder Therapie, speziell zu jeder Operation, müssen Sie als Patient Ihr Einverständnis erklären. Es soll ja freiwillig sein. Damit Sie wissen, was Sie unterschreiben, müssen Sie aufgeklärt sein. Bei der Fülle des heutigen Wissens ist es schwer die Übersicht zu behalten. Da ist es immer nützlich, sich die elementaren Grundlagen vor Augen zu halten.

Vor allem bedenken Sie eines: Der Mensch ist für die Steinzeit konstruiert. Da gab es keine gedämpften Schuhe, kein Getreide und kein Fahrrad und das einige Millionen Jahre lang. Es kann nie verkehrt sein, sich an seine Wurzeln zu erinnern

In der Natur gibt es keine Sinnlosigkeit. Hier ist alles logisch, man muß es nur erkennen. Sämtliche mentalen und sämtliche physischen Reaktionen des Körpers sind für die freie Natur konstruiert. Depressionen, Angstzustände oder Schmerzen ergeben plötzlich einen Sinn, wenn sie im logischen Zusammenhang der Biologie gesehen werden.

Wirklich krank wird der Mensch erst dann, wenn den biologischen Gesetzen zuwidergehandelt wird. Noch ist der Mensch keineswegs der Herr über seine eigene Biologie geworden auch wenn manche sich tatsächlich einbilden, das zu sein.
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Die Nervenkompression Eingeschlafene Beine
Nervenfunktion Telefonkabel keine Telefon
Die Alles oder Nichts-Regel Das ISDN-Netz der Natur
Reizzeit-lntensitäts-Kurve (Chronaxie) Das Datenblatt der Sinnesorgane
Therapiereize sind Schwellenprozesse

Leitungsanästhesie Die künstliche Nervenlähmung
Nervenkompression durch Bandscheiben
Die Bandscheibe
Der Bandscheibenvorfall

Der Musculus psoas.
Muskelfunktion
Bandscheibenvorfall als Folge der Psoasspannung
Der Bandscheibenvorfall ist Endpunkt einer langen Entwicklung.

Schmerzen, Kribbelparästhesien und Lähmungen
Lähmungen
Parästhesien

Schmerzen im allgemeinen
Pathologie der Bewegungsmechanik (Patho-Kinematik)
Schmerztheorie
Bewegungskraft
Bewegungsbahn
Muskelgeometrie
Schmerzlokalisation

Zusammenfassung

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Bandscheibe in Lordose Bandscheibe in Kyphse

-Die Nervenkompression und eingeschlafene Beine

Es gibt wohl kaum einen Menschen, dem noch nie die Beine eingeschlafen sind, wenn er einmal auf einer harten Stuhlkante gesessen hat. Er hat mit seinem Gewicht auf seinen Ischiasnerven gedrückt, bis dieser seine Funktion aufgegeben hat. Dies ist ein Nervenkompressionssyndrom. Der Nerv wird druckgeschädigt. Dies ist anfangs reversibel, später irreversibel. Ein Nerv kann höchstens 10 Minuten komprimiert werden, dann ist seine Funktion vollständig gestört. Die Regeneration dauert, vom Rückenmark aus gerechnet, etwa 1 Millimeter pro Tag. Für den Fuß bedeuten dies ca. 100 Tage Lähmung bis die Funktion langsam wiederkehrt.

-Nervenfunktion

Ein Nerv hat die Aufgabe, Informationen weiterzuleiten. Er hat nicht die Aufgabe Informationen selbst herzustellen. Informationen werden vom Gehirn in die peripheren Organe übermittelt und umgekehrt von peripheren Sinnesorganen zum Gehirn. Fällt die Nervenverbindung aus, dann gibt es keine Information. Weder in der Peripherie noch in der Zentrale.

Für einen gemischten Nerven, wie den Ischiasnerven bedeutet dies, man fühlt nichts mehr und man kann seine Muskeln nicht mehr aktivieren. Sensibilität und Motorik sind ausgefallen.

Nerven übermitteln Signale, sie stellen selbst keine Signale her, auch keinen Schmerz. Wenn ein Nerv krank ist, gibt es überhaupt keine Übermittlung, die Leitung ist tot. Halbtot gibt es nicht

Ebensowenig wie ein Telefonkabel kann ein Nerv seine Nervenimpulse selbst herstellen.

-Alles oder Nichts

Nerven arbeiten digital. Dies tun alle erregbaren Gewebe im Körper. Auch die Muskeln gehören dazu. In der Biologie wird das die "Alles-oder-Nichts-Regel" genannt. Dies ist seit bald 1,5 Jahrhunderten bekannt. Signale treffen von außen auf den Körper, werden von Sinnesorganen analog wahrgenommen, in digitale Signale umgewandelt und von Nerven als Digitalsignal zur Weiterverarbeitung weitergeleitet.

In der Biologie wird der Begriff "proportional" an Stelle von "analog" und "differentiell" an Stelle von "digital" verwendet.

Die unterschiedliche Begriffswahl kommt daher, da in der Biologie diese Thematik bereits ein 3/4 Jahrhundert früher als in der Technik bearbeitet wurde.

Sinnesorgane sind Proportional-Differential-Wandler (PD-Wandler). In der Technik nennt sich dies Analog-Digital-Wandler (AD-Wandler).

-Reizzeit-Reizintensitäts-Kurve (Chronaxie)

Die Reizzeit-Reizintensitäts-Kurve (Chronaxie), beschreibt die Beziehung zwischen der Stärke eines Reizes und seiner Einwirkungsdauer.
Reize von extrem kurzer Dauer lösen, wie groß auch die Reizstärke sein mag, keine Reizantwort aus. Reize, die extrem schwach sind, lösen, wie lange auch der Reiz dauert, ebenfalls keine Reizantwort aus.

Deutlich wird dies z.B. am Auge: Je kürzer ein Lichtblitz desto heller muß er sein, damit er wahrgenommen wird. Irgendwann führt auch die stärkste Helligkeit nicht mehr zur Wahrnehmung. (Hohe Intensität, geringe Einwirkdauer). Sehr dunkles Licht kann wahrgenommen werden, wenn man die Zeit verlängert. Irgendwann reicht auch hier die Zeit nicht aus, um noch etwas wahrzunehmen.

Die Mindestintensität eines Reizes, die gerade ausreicht, um einen bestimmten Nerven oder Muskel in Erregung zu versetzen, heißt Grundschwelle (Rheobase)

Die Mindestzeit, welche einwirken muß, ist die Zeitschwelle (Nutzzeit).

Die Mindesteinwirkungsdauer eines Reizes von der doppelten Stärke der Grundschwelle (Rheobase), die eben zum Reizeffekt führt, ist die Kennzeit (Chronaxie).

“Alles-oder-Nichts” Gesetz - halb schwanger geht nicht.

Die Schwellenintensität, die eben zum Auftreten einer Reizantwort führt, ist zwar verschieden, wird sie aber erreicht, dann kommt es zum Auftreten eines vollen Aktionspotentials; weiteres Ansteigen der Reizintensität ändert nichts. Bei unterschwelligen Reizen bleibt das Aktionspotential aus, bei Schwellen- oder überschwelligen Reizen tritt das Aktionspotential stets mit konstanter Amplitude und Form auf. Das Aktionspotential ist daher ein “Alles-oder-Nichts"-Effekt, es gehorcht dem “Alles-oder-Nichts"-Gesetz.
-Therapiereize sind Schwellenprozesse.

Wirksame therapeutische Maßnahmen sind ausschließlich solche Schwellenprozesse. Als Therapeut hat man die Schwachpunkte im Körper zu finden und dann sinngerechte Reize zu setzen, die den Körper veranlassen, in seinem Inneren Veränderungen vorzunehmen.

Solche Reize dauern Bruchteile von Sekunden. Therapeutisch wirksame Maßnahmen sind einmalige und kurzdauernde Eingriffe. Im mechanischen System des Bewegungsapparates setzt man naturgemäß am ehesten mechanische Reize. Nicht der Therapeut ändert den Körper, sondern der Körper ändert sich selbst.

Der Therapeut setzt überschwellige Reize, um die Veränderung einzuleiten.

-Leitungsanästhesie

Wenn ein Arzt operieren muß, dann benötigt er eine Anästhesie, damit die Operation schmerzfrei durchgeführt werden kann. Dafür gibt es z.B. die Leitungsanästhesie. Hier wird an einer anatomisch geeigneten Stelle mit einem Lokalanästheticum der zuständige Nerv für eine gewisse Zeit in seiner Funktion blockiert, d.h. chemisch geschädigt. Nachdem das Anästheticum vom Körper abgebaut wurde, kommt die Funktion des Nerven wieder. Weil der Nerv geschädigt wurde, kann er Information nicht weiterleiten und es kann schmerzfrei operiert werden.

-Nervenkompression durch Bandscheiben

Jeder Nerv im Körper reagiert gleichartig, außer wenn die Bandscheibe auf den Nerv “drückt”. Hier soll, nach der gängigen Theorie, alles ganz anders sein. Der Nerv wird nicht zerstört, sondern im Gegenteil höchst aktiv werden und gezielt Schmerzen produzieren. Statt einer Nullfunktion ergeben sich neue Funktionen, nämlich die Bildung von extremen Schmerzen und neuen Gefühlen, wie Kribbelgefühl und Taubheitsgefühl. Warum diese Phänomene einzig auf die Umgebung der Bandscheiben beschränkt sein sollen, wird nicht erklärt. Die Gesamtheit der Medizin geht davon aus, daß dem eben so ist.

Es gibt keinen Menschen, dem die Beine eingeschlafen waren, weil er auf einer Stuhlkante gesessen hatte, der angeben kann, daß dies den bekannten Ischiasschmerz zur Folge gehabt hätte.

Eine Spanne oberhalb des Gesäßes soll der gleiche Nerv bei dem gleichen Kompressionsschaden nach der gängigen Theorie plötzlich ganz anders reagieren und die bekannten Schmerzen hervorrufen. Warum dies so sein soll, hierfür fehlt in der Medizin eine plausible Erklärung.

-Die Bandscheibe

Die Bandscheibe ist im lebendigen Zustand weder Scheibe noch Band. Sie wird dies erst nach entsprechender Zeit im Formalinbad. Sie ist eine inhomogene halbfeste Struktur. Außerdem ist sie wesentlich schmäler, als dies auf Röntgenbildern aussieht. Wer es genau wissen will, sollte sich in der nächsten Metzgerei eine Schweinehälfte oder auch sein nächstes Kotelett auf dem Teller genauer ansehen. Hier liegen Bandscheiben auf dem Teller. oder: > Bandscheibenbilder

-Der Bandscheibenvorfall

Eine Bandscheibe verlagert sich nicht von alleine. Sie hat keine Füße. Die Bewegungen der Bandscheibe sind an die Bewegungen der benachbarten Wirbelkörper gekoppelt. Wenn die Bandscheibe irgendwohin ausweicht, dann erfolgt dies im Zusammenhang mit entsprechenden Wirbelbewegungen. Die Wirbel bewegen ebenfalls nicht von alleine. Wirbel sind Calciumphosphat-Apatitkristalle - also Steine. Ein Stein bewegt nicht von alleine. Das, was die Knochen bewegt, sind die Muskeln im Körper. Wenn ein Knochen nicht bewegen kann, dann muß folgerichtig gefragt werden, welcher Muskel nicht mehr imstande ist, diesen Knochen zu bewegen.

An der Bandscheibe befinden sich keine Muskeln. Dafür gehen von den benachbarten Wirbelknochen um so mehr Muskeln aus. Wenn eine Bandscheibe, eingeklemmt zwischen zwei Wirbelknochen, nicht mehr bewegen kann, dann stellt sich die Frage, welche der Wirbelsäulenmuskeln derart inaktiv geworden ist, daß es zu der Bandscheibenverlagerung gekommen ist. Wenn dies bekannt ist, dann ist damit auch die Frage beantwortet, wieso der Bandscheibenvorfall entstanden ist.

-Der Musculus psoas.

Da die Bandscheibe nach rückwärts verlagert ist, muß demgemäß der verursachende Muskel bauchseitig liegen. Beim Menschen heißt dieser Muskel M.psoas. Beim Schwein oder beim Rind ist es das Filet.

Dieser Muskel verbindet die untere Wirbelsäule mit dem Oberschenkel. Beim Sitzen befindet er sich in stark verkürzter Stellung, ebenso beim Schlafen, wenn mit angewinkelten Beinen geschlafen wird; ebenso in der sog. Stufenlagerung, wenn ein Bandscheibenpatient auf den Rücken gelegt wird, und zur Schmerzlinderung eine Kiste unter die Beine gelegt wird.

Dies wird in den Kliniken als Entlastungslagerung angeboten, da in dieser Stellung der Schmerz geringer wird. Daß mit dieser Stufenlagerung der Bandscheibenvorfall verstärkt wird, interessiert offensichtlich nicht und belastet offensichtlich auch nicht das Hinterfragen der Theorie.

Nach einigen Wochen Stufenlagerung ist spätestens dann der Bandscheibenvorfall perfekt, womit die Operation endgültig indiziert erscheint.

-Muskelfunktion

Die einzige veränderliche Struktur im Körper ist der Muskel. Ein Muskel kann dick und dünn sein, lang und kurz. Ein Muskel kann seinen Zustand in wenigen Tagen ändern. Einige Tage Bettlägerigkeit und man fühlt sich schwach. Einige Tage körperliche Arbeit und man fühlt sich stark. Wer kennt dies nicht?

Funktionen, die nicht genutzt werden, verkümmern. Ein Muskel, der fortwährend in verkürzter Stellung gehalten wird, verliert seine Bewegungsfähigkeit.

Ein Muskel besitzt ein Grundspannung, die auf seiner Grundaktivität beruht. Auch im Schlaf wird jeder Muskel des Körpers 6-12 mal pro Sekunde aktiviert. Dies ergibt die Grundspannung (Grundtonus). Wirklich locker ist ein Muskel nie, außer wenn der Nerv zerstört ist, wie bei der Kinderlähmung.

-Bandscheibenvorfall als Folge der Psoasspannung

Dies betrifft auch den M.psoas. Wenn dieser Muskel wegen des heutigen andauernden Sitzens verkürzt ist, verlagert er die Bandscheibe nach hinten. Nach vorne kann sie nicht mehr, da die Spannung des Muskels dies verhindert. Dies ist dann der Bandscheibenvorfall.

Jetzt kann durchaus, um die Spannung aus dem Muskel zu nehmen, die Bandscheibe entfernt werden. Damit bekommt der Psoas wieder etwas Spielraum, da einige Millimeter Distanz für den Muskel gewonnen werden. Das zugehörige Wirbelsegment ist dafür für den Rest des Lebens zerstört. Der Schmerz ist erst einmal gemindert. Ca. 20% der Operierten sind schmerzfrei.

Einfacher und gesünder wäre es allerdings, den Muskel wieder umzutrainieren, sodaß er wieder eigenen Bewegungsspielraum bekommt. Dies kostet einige Tage Mühe und ist nicht unbedingt einfach. Die Operationen würden allerdings entfallen. Und der Patient hätte Ruhe für den Rest des Lebens. Muskeltraining kann ein Patient auch ohne Arzt durchführen. Er wäre für den Rest des Lebens unabhängig von der Medizin.

-Der Bandscheibenvorfall ist Endpunkt einer langen Entwicklung.

Bis der M.psoas eine so hohe Grundspannung bekommt, daß es zu der immobilen Bandscheibenverlagerung kommt, muß einiges davor passieren. Der Bandscheibenvorfall ist der Endpunkt einer langen Entwicklung. Es gibt eine Reihe weiterer Muskeln, die ebensolche Spannungsasymmetrien aufweisen, wie der Psoas. Dies ist zunächst der gerade Bauchmuskel, dann der gerade Oberschenkelmuskel, der große Gesäßmuskel, der große Adduktor, und schließlich der Darmbeinmuskel als Begleitmuskel des Psoas.

All diese Muskeln sind Opfer der Sitzhaltung. In Anpassung an die Sitztätigkeit werden Bewegungsumfang und Kraft dieser Muskeln vom Körper entsprechend eingerichtet. Das Problem ist, daß selbst der heutige Mensch gelegentlich noch Gehen und Rennen muß. Hierzu ist eine Aufrichtung des Beckens und der Wirbelsäule Voraussetzung. Die antrainierten Sitzasymmetrien der zuständigen Muskeln erlauben dieses Aufrichten irgendwann nicht mehr. Die Folgen sind die entsprechenden Schmerzen und, als Strukturveränderung, die Bandscheibenverlagerung.

-Schmerzen, Kribbelparästhesien und Lähmungen

Lähmungen sind nicht auf Nervenschädigungen beschränkt. Es gibt myogene und neurogene Lähmungen. Eine neurogene Lähmung ist die Kinderlähmung oder die Leitungsanästhesie. Eine myogene Lähmung ist z.B. bereits die Ermüdung nach Anstrengung. Es gibt eine Palette von myogenen Lähmungen.

Ein Muskel arbeitet nie alleine. Wenn ein Muskel verkürzt, muß sein Gegenspieler verlängern. Zugehörige Knochen werden über entsprechende Gelenke bewegt. Wenn ein Muskel arbeitet, pflanzt sich diese Tätigkeit über den gesamten Körper hinweg fort. Auch im Körper ist eine Kette so stark, wie ihr schwächstes Glied. Im Körper bestimmt der schwächste Muskel in der Kette die Gesamtleistung.

-Lähmungen - neurogen oder myogen

Lähmungen gibt es, wenn vom Gehirn an die Muskulatur keine Signale mehr übermittelt werden können, wenn der Nerv tot ist. Dies sind neurogene Lähmungen, z.B. Kinderlähmung.

Lähmungen gibt es auch, wenn die Funktion der Muskulatur so gestört ist, daß eine Bewegung nicht mehr möglich ist. (Muskellähmung, myogene Lähmung). Nicht jede Lähmung kommt vom Nerv. Eine starke Ermüdung z.B. ist eine relative myogene Lähmung, die jeder kennt.

Es gibt verschiedene myogene Lähmungen, bei denen jeweils die Nerven gesund sind. Die Radiusköpfchenluxation beim Kind (M. Chassaignac) ist eine klassische myogen-skelettale Lähmung bei intaktem Nerv (Entgleisung der Kinematik).

Lähmungserscheinungen mit Schmerzen, die Bandscheibenschäden zugeschrieben werden, sind typische myogene Lähmungen ausgehend vom Darmbeinmuskel (M.iliacus) und nicht Nervenschäden des Ischiasnerven.

Lähmung ist also nicht gleich Lähmung. Unklare Lähmungen Nervenschädigungen zuzuschreiben, ist zu kurz gegriffen und führt zu gefährlichen therapeutischen Konsequenzen.

Wenn ein Glied der Kette seine Funktion komplett eingestellt hat, ist damit die gesamte Kette blockiert also gelähmt. Im Falle der Fußheberschwäche, die auf den Bandscheibenschaden zurückgeführt wird, ist dies, wie die Erfahrung zeigt, regelmäßig der Darmbeinmuskel. Der Fuß kann nicht mehr gehoben werden, weil der Beginn der Bewegung im Darmbeinmuskel nicht mehr möglich ist. Das Reaktivieren des Darmbeinmuskels wird diese Lähmung beseitigen.

-Parästhesien

Der Skelettmuskel ist das Erfolgsorgan der Willküraktivität. Von alleine tut der Skelettmuskel nichts. Ohne Willkür keine Tätigkeit, dies im Gegensatz zur autonomen Muskulatur, wie dem Darm oder den Gefäßen.

Umgekehrt sind die momentanen Aktivitäten und Zustände der Skelettmuskulatur dem Bewußtsein stets zugänglich. Man weiß, was man tut, wie stark man ist, was man kann oder nicht kann. Müdigkeit wird gefühlt, ebenso wie Ausgeruhtheit, Kraft, Spannung und Verspannung. Der Mensch fühlt seinen Körper, genauer seine Muskulatur, in all ihren Zuständen. Der Zustand kann gut oder schlecht sein. Für jeden Zustand gibt es die zugehörigen Empfindungen.

Muskelzustände, die subtotal eingeschränkt sind, werden als Mißempfindungen, die als Kribbel- oder Taubheitsgefühle beschrieben werden, empfunden. Diese Mißempfindungen sind, weil die muskulären Zustände sehr schnell wechseln können, auch nie konstant. sie wechseln von Tag zu Tag. Ein kranker Nerv kann nie so schnell reagieren. Spätestens dann wird dies deutlich, wenn mit reinen Muskeltechniken die Funktion wiederhergestellt ist und die Mißempfindungen schlagartig verschwinden.

Nervenschäden hinterlassen eine Nullempfindung keine Mißempfindung. Bei Nervenschäden spürt man gar nichts, bei Muskelschäden unangenehme positive Empfindungen. Taubheit und Nullempfindung sind zweierlei Dinge. In der Medizin wird deswegen zwischen Anästhesie und Parästhesie unterschieden. Die Bandscheibentheoretiker sollten sich etwas genauer an die Grundlagen der Neurologie halten.

-Schmerzen im allgemeinen

Alleine die Tatsache, daß Schmerzen im Zusammenhang mit Bandscheibenschäden in der Stufenlagerung oftmals gemindert werden, zeigt, daß Schmerzen mit den Bandscheiben nichts zu tun haben können. Der Bandscheibenschaden wird durch die Stufenlagerung schließlich verstärkt statt gemindert.

Jeder, der einmal Schmerzen hatte, weiß, daß Schmerzen durch Bewegung verstärkt werden und durch Immobilisierung abgeschwächt werden. Was weh tut, ist damit die Bewegung, nicht der Körper, also womöglich die Bandscheibe oder der Nerv. Beim Aufstehen tut es weh, beim Hinlegen wird es besser. Der vorgebliche Schaden kann in diesen wenigen Sekunden schwerlich gebessert sein.

Wenn Schmerzen verstanden sein wollen, dann muß also nach den Prinzipien der Bewegung gefragt werden. Diese haben im biologischen Körper andere Eigenschaften, wie die Bewegungen, die die menschlich Technik hervorgebracht hat. Verstanden werden können sie trotzdem. Sie sind mit den mathematischen Mitteln der Kinematik zu erfassen und unterliegen damit klaren Gesetzmäßigkeiten.

-Pathologie der Bewegungsmechanik (Patho-Kinematik)

Wie jede Mechanik, kann auch die körperliche Mechanik Störungen unterworfen sein. Im menschlichen Körper kommen diese Störungen zu Bewußtsein, da das Bewußtsein das Kontrollorgan ebendieser Mechanik ist.

Eine dieser Störungen ist die Störung der geometrischen Bewegungsbahn irgendwelcher mechanisch relevanter Körperteile. Der adäquate Bewußtseinsprozeß bezüglich dieser Störung ist der Schmerz. Wird das Bewußtsein ausgeschaltet (Narkose), dann gibt es auch keinen Schmerz, obwohl der Körper immer noch der gleiche ist. Schmerz ist die Spiegelung eines körperlichen Vorgangs im Bewußtsein. Konkret ist Schmerz die Bewußtwerdung der Bewegungsgeometrie, wenn diese gestört ist.

Man kann dies mit dem Auto vergleichen: Wenn an einem Reifen etwas Luft herausgelassen wird, wird der Durchmesser des Reifens geringer. Die Bewegungsgeometrie des Autos ist gestört, das Auto fährt nicht mehr geradeaus. Am Lenkrad spürt man dies. Dieses Gefühl am Lenkrad entspricht dem Schmerz im Körper.

Ebenso wie die gestörte Geometrie im Auto zwar am Lenkrad fühlbar wird, die Ursache jedoch im Reifen liegt, ebenso verhält es sich im Körper. Da, wo man den Schmerz spürt, befindet sich die Ursache nicht. Die Ursache ist da, wo man nichts fühlt. Diese Ursache herauszufinden, ist Sache der eigentlichen Schmerztherapie.

-Schmerztheorie

Schmerztherapie ist Therapie der Körpergeometrie. Die einzige veränderliche Struktur und die einzige Struktur, die Aktivitäten verrichtet und dem Bewußtsein zugänglich ist, ist der Muskel. Damit beschränkt sich die Schmerztherapie auf die Muskulatur.

Der Muskel hat eine Doppelfunktion. Er ist sowohl Motor, wie auch Getriebebauteil im System der körperlichen Mechanik. Er stellt die Kraft für die Bewegung her und bestimmt gleichzeitig durch seine innere geometrische Anordnung seiner Einzelfasern den geometrischen Ablauf der Bewegung.

-Bewegungskraft

Die Kraft kann mit dem Schmerz nichts zu tun haben, da gleichermaßen starke wie schwache Menschen Schmerzen haben können. Ob ein Körperteil mit viel oder wenig Kraft bewegt wird, hängt außerdem von den äußeren Beanspruchungen ab und nicht von der potentiellen Kraft, die ein Muskel besitzt. Krafttherapie ist somit keine Schmerztherapie.

Ob eine Bewegung mit viel oder wenig Kraft durchgeführt wird, hat auf den Ablauf der Bewegung keinen Einfluß. Dies ist wieder wie beim Auto. Ob viel oder wenig Gas gegeben wird, hat auf das Rollverhalten keinen Einfluß.

-Bewegungsbahn

Wenn die geometrische Bahn gestört ist, dann kommt es zu unerlaubten Kraftwirkungen innerhalb des Systems. Die eigene Kraft beginnt, das System selbst zu schädigen. Deswegen muß solch eine Aktivität gestoppt werden. Diese Selbstbehinderung zum eigenen Schutz ist der eigentliche Sinn des Schmerzes.

-Muskelgeometrie

Die geometrischen Aufgaben des Muskels werden dadurch erfüllt, daß jede Einzelfaser des Muskels in eine andere Richtung zieht und eine eigene Länge hat. Wenn die Gesamtheit der Fasern aktiviert wird, dann verkürzen sich diese Fasern und ziehen den daranhängenden Knochen auf einer Bahn hinter sich her, die der Anordnung dieser Fasern entspricht. Gleichzeitig muß der Gegenspieler dieses Muskels seinerseits mit seinem Fasersystem wiederum exakt die gleiche geometrische Bahn gewährleisten, indem seine Fasern auseinanderlaufen.

Hier nun beginnt das Problem. Verkürzen kann ein Muskel jederzeit. Die Frage ist, ob sein Gegenspieler lang genug ist, diese Verkürzung zu erlauben, und ob der Gegenspieler die gleiche geometrische Bahn definiert, wie der aktive Schenkel der Bewegung. Wenn der passive Gegenspieler eine andere Bahn definiert, wie der aktive verkürzende Muskel, dann kommt es zum Konflikt. Zwei Muskeln an einem Knochen und jeder zieht woanders hin. Dies tut weh.

-Schmerzlokalisation

Obwohl bei jeder körperlichen Bewegung eine Vielzahl von Muskeln beteiligt sind, spürt man immer nur einen kleinen Teil der Gesamtaktivität. Generell werden lediglich die momentan aktiven, verkürzenden Muskeln bewußt wahrgenommen. Dies auch im Fall der Störung, also der schmerzhaften Bewegung. Der passive Schenkel wird nicht wahrgenommen, auch und gerade wenn dieser die Bewegung torpediert. Bei der Suche nach der Schmerzursache muß damit der momentane passive, vom Körper nicht wahrgenommene Muskel ausfindig gemacht werden und wiederhergestellt werden. Dies ist Sache der eigentlichen Schmerztherapie.

-Zusammenfassung

Die Therapie von Bandscheibenproblemen ist ein beherrschbares Problem, wenn etwas umfänglicher gedacht wird, als der Blickwinkel der Bandscheibenchirurgen reicht. Diese Therapie erfordert viel handwerkliches Können, wie dies jedoch in jedem anderen Fachgebiet ebenso der Fall ist. Totale Therapieversager gibt es selten, da die großen Beckenmuskeln gut erreichbar sind. Die Prognose ist zuverlässig gut, hängt jedoch von der Eigenaktivität und der Einsicht der Patienten ab. Ist diese nicht gegeben, dann kommen erfahrungsgemäß nach einem halben Jahr die alten Probleme zurück.

Walter Packi,
Arzt