Die Logik der Schmerzen
Institut für Biokinematik
Die Biologische Kinematik
Die Therapie der Arthrose, Volkskrankheit Nummer eins, verschlingt Unsummen Gelder, ohne dabei die Arthrose wirklich zu therapieren. Tatsächlich hat sich die Medizin mit der angeblichen Unheilbarkeit der Arthrose abgefunden. Das Heil der Therapie wird im künstlichen Gelenkersatz gesucht und der Ersatz des Gelenkes wird als Therapie des Gelenkes angepriesen.
Arthrose ist Knorpelverlust im Gelenk. Dies wird gemeinhin als Verschleiß bezeichnet. Wenn man eine arthrotische Gelenkoberfläche betrachtet, kommt einem auch unmittelbar der Gedanke, daß hier Verschleiß am Werke ist. Verschleiß ist jedoch ein Begriff aus der Technik und heißt Materialverlust durch Abrieb. Im biologischen Gelenk gibt es jedoch keinen Abrieb und außerdem besteht der Knorpel aus lebendigen Zellen, die ohnehin nur eine begrenzte Lebensdauer haben und sich permanent erneuern. Im Körper kann es also keinen Materialverlust durch Abrieb geben. Lebendiges Gewebe und tote Materie werden hier mit ein und demselben Begriff beschrieben, was zu weitreichenden Mißverständnissen führt.
Mit dem Begriff des Verschleißes in seiner Vorstellung wird ein Mensch, dem gesagt wird, daß er an Hüftarthrose leidet, unmittelbar auf die Idee verfallen, das Hüftgelenk möglichst nicht mehr zu beanspruchen, da er ja dem vermeintlichen Verschleiß des Gelenkes vorbeugen muß. Dies ist dann der endgültige Anfang vom Ende des Gelenkes.
Dabei ist es nicht einmal die Arthrose, die einen Menschen zum Arzt bringt und damit zum Patienten umfunktioniert. Es sind die Schmerzen, die zum Arzt treiben. Dort wird dann nach der Ursache dieser Schmerzen gefahndet und wenn sich der Schmerz in Gelenknähe befindet, dann ist die Diagnose Arthrose schnell gefunden und von dieser Arthrose kommt man dann nie wieder los.
Wissenschaftlich ist dies nicht, denn Arthrose ist nicht gleich Schmerz. Als richtiger Unfug stellt es sich spätestens dann heraus, wenn nach einem künstlichen Gelenkersatz die gleichen Schmerzen bestehen, wie davor, allerdings ohne daß das arthrotische Gelenk noch vorhanden wäre. Hier ist inzwischen Metall und Kunststoff eingebaut, was ja wohl schwerlich weh tun kann. Und irgendwann wird der Patient dann vom Orthopäden zum Psychiater gewechselt.
Schmerz entsteht durch Bewegung, dies kann gerade bei der Arthrose gut beobachtet werden. Ohne Bewegung kein Schmerz. Deswegen meidet ein arthrosegeplagter Mensch die Bewegung, was die Arthroseentwicklung dann beschleunigt. Er will schließlich keine Schmerzen haben. Er schont sich, wo er kann. Unterstützt wird dieses Verhalten durch die orthopädische Medizin, welche Schmerz mit Krankheit gleichsetzt. Sie orientiert sich in der Therapie am Schmerz, statt an der Funktion. Das einzige, was dem Patienten helfen könnte, die Bewegung, wird dem Patienten verboten, wodurch dieser dann auch auf Dauer Patient bleibt. Doch ist der Schmerz als Leitfaden für den Erfolg einer Therapie der falsche Ratgeber. Man prügelt den Sack statt den Esel.
Wieso haben Gewichtheber oder Sumo-Ringer eigentlich keine Arthrose in den Kniegelenken oder Hüftgelenken? Wieso ist deren Wirbelsäule nicht schon längst zusammengebrochen? Wieso finden sich die meisten Hüftarthrosen bei Schreibtischarbeitern?
Wie gerade bei der Arthrose gut zu beobachten, ist es die Bewegung, die schmerzhaft ist, also irgendwie gestört ist. Hört die Bewegung auf, dann hört auch der Schmerz auf. Irgendetwas in der Bewegung ist also nicht in Ordnung, sodaß diese weh tut. Wenn es das geschädigte Gelenk wäre, müßte es ja permanent weh tun, denn das Gelenk ändert sich nicht von einer Sekunde auf die andere. Nur weil Bewegungen über Gelenke verlaufen und Gelenke an der Bewegung beteiligt sind, kann jedoch nicht zwingend geschlossen werden, daß die Schmerzen im Gelenk entstehen. Dies wäre zu kurz gegriffen. An der Bewegung sind schließlich noch andere Elemente beteiligt.
Auch ein Gelenkknorpel will ernährt werden. Der Knorpel in der Hüfte oder im Knie ist teilweise mehrere mm dick. Er ist von weißer Farbe und nicht an das Blutgefäßsystem angeschlossen. Von der Blutbahn her kann er nicht ernährt werden. Die Nährlösung für den Knorpel ist die Gelenkflüssigkeit, die sog. Gelenkschmiere (Synovia). Die überspült die Oberfläche des Knorpels, sie muß jedoch auch irgendwie in die Tiefe geraten, um auch die tiefliegenden Zellen zu ernähren.
Damit dies funktioniert, ist der Gelenkknorpel wie ein Schwamm aufgebaut. Wenn er zusammengedrückt wird, kommt die darinliegende Flüssigkeit heraus. Anschließend kann der Knorpel sich wieder vollsaugen. So entsteht ein einfacher Pumpmechanismus, welcher die Ernährungsgrundlage des Knorpels ist. Fehlt diese Pumpe, dann verhungert der Knorpel, er verschwindet, wir haben die Arthrose.
Zusammendrücken kann sich der Knorpel nicht von alleine. Er muß von außen gequetscht werden, wie eine Zitrone auch. Zusammengedrückt werden kann ein Gelenk jedoch nicht, wenn es nicht benutzt wird. Erst die Beanspruchung bringt ein Gelenk in Bewegung und setzt den Knorpel unter Druck und sorgt damit für dessen Ernährung. Die wechselseitige Belastung und Entlastung ist die Lebensgrundlage des Gelenkknorpels. Fällt diese aus, dann verhungert der Knorpel, die Arthrose entsteht. Wenn ein Bein 3 Wochen im Gips liegt, dann entsteht eine Arthrose im Kniegelenk. Dies nennt sich Inaktivitätsarthrose. Wird das Bein wieder bewegt, dann verschwindet diese Arthrose wieder von alleine. Dies ist in der Medizin seit Jahrzehnten bekannt. Was für das Gipsbein gilt, gilt auch für den ganzen Körper. Bewegung und Belastung statt Schonung und Ruhigstellung führt zur Heilung der Arthrose.
Schmerzen sind der Feind jeder Bewegung. Wer Schmerzen hat, bewegt nicht mehr. Wer nicht bewegt bekommt die Arthrose. Arthrosetherapie müßte zunächst Schmerztherapie sein. Die Schmerzen sind es schließlich, die zur Schonung, zur Immobilität und dann zuletzt zur Arthrose führen. Zuerst kommt der Schmerz und dann die Arthrose. In der Orthopädie wird hier die Reihenfolge verkehrt gesehen. Der Denkfehler besteht darin, zuerst die Arthrose zu sehen und dann den Schmerz. Dieser Schuh ist jedoch verkehrt herum angezogen Die Schmerztherapie wird am Opfer des Schmerzes und nicht an dessen Ursache betrieben..
Mit der Aufhebung des Schmerzes ist der Grund für die Schonung und die Immobilisierung entfallen, das Gelenk kann wieder schmerzfrei belastet werden, die Arthrose kann wieder verschwinden, weil der Knorpel wieder belastet werden kann. So sollte eine Arthrosetherapie aussehen. Das künstliche Gelenk ist keine Therapie sondern eine zusätzliche Einschränkung der Lebensfähigkeit.
Die eigentliche Schmerztherapie ist eine Sache der inneren Geometrie der beteiligten Muskulatur. Binnenmuskuläre geometrische Funktionsasymmetrien sind Auslöser von Schmerzen bei Bewegung. Diese Bewegungspathologien können nicht durch Operationen wie Gelenkersatz, Knochenumbau oder Meniscusentfernung behoben werden. Diese Therapie ist Sache der Biokinematik und Biokybernetik.
Was weg ist, ist weg und kann nicht wieder lebendig gemacht werden. Deswegen sollte mit Beweglichkeit und Belastung so früh als möglich begonnen werden und nicht erst dann, wenn kein Gelenk mehr vorhanden ist. Es kommt auch nichts von nichts. Bewegung muß der Mensch selbst tun. Pillen helfen hier nichts.
Ebenso, wie jeder Mensch im Stande ist, durch falsche Bewegungen Schmerzen in seinem Körper entstehen zu lassen, ebenso kann er durch Umkehrung dieser Bewegungsfehler bestehende Schmerzen wieder beheben. Dies ist jederzeit erlernbar. Wer die Gesetze der Bewegungen kennt, die anatomischen Zusammenhänge sowie die Regulationstechniken des Bewegungsapparates, für den ist die Schmerztherapie nach den Gesetzen der Biokinematik kein großes Geheimnis. Solange ein Mensch über alle Bestandteile seines Körpers verfügt und diese nicht durch Metall und Kunststoff ersetzt sind, umgebaut sind oder durch eingebaute Metallplatten an der Bewegung behindert sind, solange kann jeder Mensch seinen Körper in jede beliebige Funktion und in jedem beliebigen Alter umbauen, wie er will.
Um dies zu ermöglichen, sind Therapeuten erforderliche, die einem Patienten das nötige Wissen und die nötigen Fertigkeiten vermitteln und den Körper vorab soweit therapieren können, daß Bewegungsfähigkeit überhaupt erst zustandekommt. Danach liegt es in der Verantwortung des Patienten selbst, den eigenen Körper soweit in Funktion zu halten, daß seine eigenen Gelenke nicht bei lebendigem Leib absterben und in den Arthrosezustand übergehen, sondern an den Tätigkeiten des Körpers beteiligt werden und sich entwickeln und aufbauen können.
Walter Packi
Sep 2003