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Walter Packi
Arzt für Allgemeinmedizin
Begründer der Medizin nach der Biokinematik


 

Bauchmuskeltraining

Bauchmuskeltraining dürfte das am häufigsten angewandte Krafttraining sein. Die Motive sind meist ästhetischer Natur (straffer Bauch) oder sportlicher Natur. Zur Erreichung dieser Ziele werden spezielle Gerätschaften und gezielte Übungen eingesetzt. Zum sinngerechten Durchführen eines solchen Trainings sind einige Grundlagenkenntnisse über Muskeltraining im allgemeinen und Bauchmuskelfunktion im speziellen angebracht.

Der Bauchmuskel (M. rectus abdominis) verbindet den vorderen Beckenrahmen mit dem unteren Brustkorbrahmen, dem Rippenbogen. Wie jeder Muskel hat auch der Bauchmuskel die Aufgabe, zwei Knochen einander anzunähern.

Im aufrechten Stand ist das Becken über die Beine wie eine Säule fixiert. Das eigene Gewicht hält das Becken stabil. Wenn jetzt der Bauchmuskel aktiviert wird, zieht dieser den Brustkorb nach unten richtung Becken. Wenn der Brustkorb nach unten bewegt wir, dann wird damit eine Ausatmung durchgeführt.

Der gerade Bauchmuskel ist somit zunächst ein reiner Ausatemmuskel. Wenn die Kraft des Bauchmuskels vergrößert wird, dann kann mit stärkerer Kraft als zuvor ausgeatmet werden. Wer isoliert Bauchmuskel trainiert, trainiert damit seine Ausatemfähigkeit, weiter nichts.

Auch für den Körper gilt: eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Im Körper bestimmt der schwächste Muskel die Gesamtkraft, auch wenn dieser nur 1 cm lang ist.

Ein Bauchmuskel-Krafttraining ergibt für die allgemeinen körperlichen Fähigkeiten nur dann einen Sinn, wenn die Folgemuskeln des Bauchmuskels in gleichem Sinne wie dieser mittrainiert werden.

In gerader Kette ist dies am Hals der M. sternomastoideus und in der schrägen Kette der M. pectoralis major in richtung Armbewegung.

Muskeltraining ist Arbeitstraining nicht Krafttraining.

Muskeltätigkeit ist Arbeitstätigkeit, da ein Muskel Kraft aufbringt und gleichzeitig bewegt. Kraft gewinnt erst dann Sinn, wenn sie durch die Bewegung zur Arbeit wird. Auch ein Auto kann erst dann fahren, wenn die Handbremse gelöst ist. Muskelkrafttraining ist also Arbeitstraining und nicht Krafttraining.

Wenn einseitig die Kraftkomponente trainiert wird und die Wegkomponente vernachlässigt wird, kann das Ergebnis sogar schlechter als zuvor sein. (Dicker kurzer Muskel).

Dicke kurze Muskeln entstehen dann, wenn der Innervationsreiz in richtung Verkürzung gegeben wird. Ein Willkürmuskel kann nichts anderes tun, als das, was die Willkür vorschreibt. So wie der Wille es formuliert, genauso wird der Muskel.

Wenn ein Bauchmuskeltraining so gestaltet wird, daß aus Rückenlage, womöglich noch mit vorgebeugtem (inkliniertem) Hals und gehaltenem Kopf, der Oberkörper angehoben und zum Becken geführt wird, dann ist dies ein reines Verkürzungstraining. Die Funktion des Körpers wird hinterher schlechter sein, da die Bewegungslänge verringert wird. Der Bauchmuskel allerdings ist straff wie ein Trampolin. Er kann nur noch halten, bewegen kann er nicht mehr.

Außerdem ist dieses Training rein auf die Atemfunktion beschränkt.

Da der Bauchmuskel nach so einem Training schlechter arbeitet als zuvor, wird auch die Atmung schlechter statt besser sein, da durch den nun verkürzten Bauchmuskel die Einatmung behindert ist.

Fazit:

Ein Bauchmuskeltraining in Form von situp`s, curling etc. verschlechtert die Gesamtleistung des Körpers.

Der gerade Bauchmuskel, in der Mitte des Körpers gelegen, kann nie isoliert betrachtet werden, sondern stets nur mit seinen Partnermuskel als Muskelkette, die den gesamten Körper zu bedienen hat.

Walter Packi
Arzt

(Jan 2001)
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