Die Logik der Schmerzen
Institut für Biokinematik
Die Biologische Kinematik
Wie man sich bettet, so schläft man ein. Man kann das Einschlafen bestimmen, jedoch nicht das Durchschlafen. Wenn man eingeschlafen ist, dann ist man bewußtlos. Im bewußtlosen Zustand muß der Körper mit dem Bett alleine fertig werden. Das Bett muß hierzu geeignet sein, damit man morgens ausgeruht aufwacht.
Wer seinen Körper zum Schlafen gebettet hat, erwartet, daß der Körper so liegen bleibt, wie er gebettet wurde. Wenn der Körper auf einer Unterlage liegt, welche unter dem Gewicht zunehmend nachgibt, dann bleibt der Körper nicht so liegen, wie er gebettet wurde. Wenn die Unterlage unter dem Gewicht deformiert, kommt der Körper nicht zur Ruhe. Durch die ständig nachgebende Unterlage bewegt der Körper bis zu einem Punkt, wo er nicht mehr liegen kann. Er muß eine neue Lage suchen, dies nun aber in Bewußtlosigkeit, da er inzwischen eingeschlafen ist. Der Schlaf wird gestört. Dabei ist Schaumgummi am schlimmsten, denn Schaumgummi gibt fortwährend nach.
Wenn man aus Sand eine Form herstellt, dann bleibt diese bestehen. Wenn man sich in Sand bettet, dann bleibt man, im Gegensatz zu Schaumgummi, so liegen, wie man sich gebettet hat. Zwischen Sand und Schaumgummi bewegt sich die Bettenrealität. Maßgeblich ist also nicht die Frage ob weich oder hart, sondern deformationsstabil oder nicht.
Schlafen sie auf einer LKW-Pritsche? Wackelt bei Ihnen der Boden, wenn
sie schlafen wollen? Die Federung in einem Bett, ob mit Holz oder Stahl,
dient nur einem, dem Hersteller. Für den Schläfer bedeutet die Federung,
daß er auf einer unstabilen Unterlage ruhen soll. Am schlimmsten sind
die Lattenroste. Die Latten sind am Rand befestigt. Hier ist die Federung
geringer als in der Mitte der Latte. Die Werbung zeigt die Lattenroste
stets von der Seite, nie vom Fußende. Vom Fußende her könnte man sehen,
daß der Lattenrost in Wirklichkeit eine Hängematte ist, mit der Längskuhle
in der Mitte. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Latte mit Latex
verbunden und zusätzlich noch an einer anderen Stelle gestützt wird.
Will man sich im Schlafe umdrehen oder bewegen, dann braucht man ein
Widerlager zur Abstützung. Ein gefedertes Bett gibt nach und ist ein
schlechtes Widerlager. Der Körper findet keine Stütze und das im bewußtlosen
Zustand.
Eine Unterlage, welche unter dem Gewicht deformiert, hält den Körper
in permanenter Bewegung. Dies stört den Schlaf. Statt ausgeruht, ist
man nächsten Morgen gerädert.
Wenn man einschläft, erschlafft der Muskelapparat. Dies geschieht langsam im Verlauf von Minuten, wie der Einschlafvorgang eben einige Minuten dauert. Die anfängliche Spannung in der Muskulatur drückt z.B. das Kissen zusammen. Federspannung wird aufgebaut. Wenn die Halsmuskulatur erschlafft, wird diese Federspannung wieder frei und drückt den Kopf wieder zurück. Inzwischen ist man jedoch eingeschlafen und merkt davon nichts. Es spielt auch keine Rolle, wenn der Hals beweglich genug ist, die Bewegung mitzumachen. Hat er die nötige Beweglichkeit nicht, dann wird er gedehnt, bis einer reflektorische Gegenspannung eintritt. Man ist verspannt. Je besser eine Matratze oder ein Kopfkissen gefedert, desto besser die Verspannung am nächsten Morgen!
Man hat dann das Gefühl zu frieren, wenn die Körperoberfläche unterschiedlichen
Temperaturreizen ausgesetzt ist, wenn die linke Seite anders temperiert
ist, als die rechte. Die absolute Temperatur, ist nachgeordnet. Man kennt
dies vom Auto. Hier kann die Luft eine Temperatur von 30° haben, wegen
der kalten Metallteile friert man jedoch.
Im Schlaf benötigt man einen thermisch geschlossenen Raum. Unterlage
und Decke müssen aus gleichartigem Material hergestellt sein, was das
Temperaturverhalten angeht. Zugluft läßt einen frieren, auch wenn es
warm ist. Wenn man auf dem Boden liegt friert man häufig, da die Decke
mit dem Boden selten einen Abschluß bilden kann. Es bleiben zu viele
Luftlöcher übrig.
Auch im Schlaf schwitzt man. Eine unmerkliche Transpiration findet immer
statt. Feuchtigkeit verdunstet. Verdunstung hinterläßt Kälte. Will man
nicht frieren, muß das Bett nachts soviel Feuchtigkeit aufnehmen können,
daß nach außen keine Verdunstung zustande kommt.
Feuchtigkeitsundurchlässige Materialien sind jedoch nicht geeignet, da der Körper dann naß wird. Man schläft besser in trockenem Zustand. Bett und Bettdecke müssen saugfähig sein.
Alle obengenannten Voraussetzungen für ein entspanntes Schlafen bietet die Schlaftechnik, wie sie heute noch in Japan üblich ist. Die Schlafunterlage, das Tatami, das was hierzulande als Bett bezeichnet wird, ist eine handbreite bretthart versteppte Reisstrohplatte. Diese hält warm, nimmt Feuchtigkeit auf und ist stabil. Auf das Tatami wird der Futon gelegt, das was der Matratze entspricht. Das Futon ist versteppte Baumwolle. Diese federt nicht, ist trotzdem weich und hält warm. Moderne Futons werden allerdings ebenfalls mit Latex, Roßhaar, Kokosfasern und Ähnlichem versetzt. Roßhaar und Kokosfasern sind kleine Spiralfedern. Latex ist Gummi. Damit geht der Vorteil der reinen Baumwolle wieder verloren. Die Deformationsstabilität wird durch diese Beimengungen schlechter und gleichzeitig wird alles teurer.
Die Werbung suggeriert regelmäßig, daß die Wirbelsäule wie eine Säule gerade im Bett liegen sollte. Die Wirbelsäule ist jedoch keine Säule, sondern eine Art Gliederkette, welche das Bewegen ermöglichen soll. Dieser Gliederkette ist es egal, ob sie optisch gerade oder optisch verdreht im Bett liegt. Die Frage, ob gerade oder irgendwie anders, ist gänzlich unerheblich, da die Wirbelsäule sich jeder beliebigen Lage gleichermaßen anschmiegen kann.
Nackenrollen, Hufeisenkissen u.ä. im Halsbereich wirken auf die HWS wie eine Schienung. Der Hals kann im Schlaf nicht bewegen. Der Körper bewegt im Schlaf jedoch fortwährend. Etwa jede 1/2 Stunde wechselt man im Schlaf die Lage. Mit einer Schienung um den Hals kann dieser den Lagewechsel nicht mehr mitvollziehen. Der Hals wird in eine Zwangslage gebracht. Mit das Schlimmste was man seiner HWS antun kann, ist die Schienung im bewußtlosen Zustand, - im Schlaf.
Walter Packi
Arzt
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