Die Logik der Schmerzen
Institut für Biokinematik
Die Biologische Kinematik
Für jedes Kniegelenk gibt es zwei Meniscen. Der Meniscus besteht aus Knorpel, ist also nicht sehr fest. Mechanische Aufgaben kann er nur in geringem Umfang übernehmen. Schmerzen im Kniegelenk werden in den meisten Fällen den Meniscen zugeordnet. Die Meniscusoperation ist leider die Therapie der Wahl. Dank der minimalinvasiven Chirurgie (Arthroskopie) ist dies heute allzuleicht möglich.
Bei der Durchbewegung des Kniegelenkes, also Beugen und Strecken, muß der Meniscus wandern. Mit dem Beugen/Strecken wandert der Menicus nach vorne und nach hinten. Gleichzeitig muß er auch noch seine Form etwas verändern, da die Gelenkoberflächen von Schienbeinknochen und Oberschenkelknochen nicht gleichmäßig rund sind.
Beim Beugen/Strecken des Kniegelenkes muß der Meniscus also zwei Dinge tun: Wandern und deformieren.
Wenn diese Wanderbewegung des Meniscus einmal ausbleibt, dann bleibt der Meniscus dort liegen, wo er gerade ist. Dies kann er genau einmal machen. Beim zweiten Mal ist er bereits zerquetscht, was sich dann Meniscusruptur nennt (Korbhenkel etc.). Denn wenn der Meniscus beim Beugen/Strecken des Kniegelenkes liegenbleibt, wo er ist, dann wird der Oberschenkelknochen mit allem Gewicht, was dieser noch zusätzlich mitschleppt, über diesen Meniscus hinwegrollen. Das hält eben kein Meniscus aus, darf also nicht passieren.
Da der Meniscus aus Knorpel besteht und keine eigenen Füße hat, um vor dem Oberschenkelknochen davonzurennen, ist es wichtig, diejenige Vorrichtung zu kennen und zu pflegen, welche das Einklemmen des Meniscus verhindert.
Wie jede andere Bewegung auch, wird die Wanderbewegung des Meniscus durch Muskulatur durchgeführt. Im Fall des Meniscus ist es die gleiche Muskulatur, welche die Kniebewegungen durchführt. Sämtliche Kniemuskeln, welche Schienbein, Oberschenkelknochen und Wadenbein im Kniegelenk bewegen, entsenden Sehnenfasern in den Rücken des Meniscus ("Dynamisierte Bänder", in: "Das Knie", Müller, Basel, 1981).
Indem diese Muskeln die Oberschenkel- und Unterschenkelknochen bewegen, bewegen sie automatisch und zwangläufig auch den zugehörigen Meniscus auf einer passenden Bahn vor sich her.
So ist dafür gesorgt, daß der Meniscus niemals eingeklemmt werden kann. Denn entweder die Muskeln arbeiten und bewegen die Knochen, dann wird der Meniscus aus dem Gefährdungsbereich weggeführt, oder die Muskeln machen nichts, dann kann auch nichts passieren.
Das geht gut, solange diese Muskeln gut und frei funktionieren. Wenn jedoch in diesen Führungsmuskeln Spannungen auftauchen, wenn die Muskelarbeit asymmetrisch wird, dann wird der Meniscus nicht mehr spannungsfrei geführt werden können. Das ist wie ein "Achter" beim Fahrrad. Es kommt zu Bahnverschiebungen - der Meniscus kommt in gefährliche Nähe zum Oberschenkelknochen, es kommt zur "Einklemmung". Es wird Einrisse an der dünnen Innenkante des Meniscus geben.
Die Folge ist ein chronischer Kniegelenkserguß. mit zugehörigen Bewegungseinschränkungen (Hemmung von Beugen und Strecken)
Was es NICHT gibt beim echten Meniscusschaden, das sind SCHMERZEN !!!
Schmerzen im Kniebereich entstehen, wie bei allen anderen Schmerzen des Körpers auch, durch bewegungsgeometrische (phoronomonische) Asymmetrien in der Führungsmuskulatur.
Die muskuläre Faserasymmetrie ist zuerst im Spiel. Danach gibt es Schmerz. Danach gibt es Meniscusschäden. Danach gibt es Arthrosen.
Das muß auseinandergehalten werden!
Es ist falsch, zu sagen: "Die Arthrose macht Schmerz."
Es ist falsch, zu sagen: "Der Meniscusschaden macht Schmerz."
Richtig ist: "Die pathologische Muskelgeometrie macht den Schmerz."
Die therapeutischen Maßnahmen bzgl. Schmerzen, Arthrose und Meniscus sind also auf die Führungsmuskulatur des Kniegelenkes zu konzentrieren (> Knieschmerzen).
Meniscusoperationen sind keine echte Lösung des Problems. Der "eingeklemmte Meniscus" kann wohl chirurgisch entfernt werden. Nur ist damit zum alten Schaden ein neuer Schaden hinzugekommen, denn erstens fehlt nach der Operation die biologische Funktion des Meniscus, denn ganz ohne Sinn und Zweck ist der Meniscus nicht und zweitens ist mit der Operation die gestörte Führungsmuskulatur nicht besser geworden. Der Schmerz wird wiederkehren und auch die Arthrose wird sich ungestört weiterentwickeln.
Walter Packi
Arzt
Apr 05