Die Logik der Schmerzen
Institut für Biokinematik
Die Biologische Kinematik

Ein Stoßdämpfer ist eine Energievernichtungsanlage. Je besser ein Schuh
gedämpft ist, desto besser vernichtet er die Energie des Läufers, bevor
diese sich im Boden auswirken kann. Wer sich dies nicht vorstellen kann,
der lasse an seinem Fahrrad etwas Luft aus den Reifen. Man fährt sicherlich
weicher, aber treten muß man um so mehr. Um den Faktor der Dämpfung wird
die Muskelkraft vernichtet, bevor sie im Boden wirkt.
Dies betrifft ebenso den weichen Waldboden, wie bestimmte Sportböden, Matten, und Kunststoffbahnen, welche “schwingen” sollen. Auch beim Auto kann man es merken: Je gedämpfter die Straße, desto höher der Benzinverbrauch. Allein der Unterschied von Asphaltstraßen zu Betonstraßen ist bereits merklich.
Je besser die Abstützung, desto stärker die Sprunggelenksverletzung.
Je besser die seitliche Abstützung desto sicherer das Sprunggelenkstrauma.
Der barfüßige Fuß kann sich nach allen Richtungen verwringen und dem
Boden anpassen. Seitliches Umknicken ohne Schuh ist fast nicht möglich.
Ein normaler Fuß steht auf der Kante genau so sicher wie auf der Sohle.
Wenn der Fuß im Schuh steckt, kann er sich seitlich nicht verwringen.
Wenn die Schuhsohle seitlich auslädt, “seitlich abstützt”, dann steht
der Fuß solange sicher, als er waagerecht belastet wird. Der Tag kommt
jedoch mit Sicherheit, an dem der Fuß über die Kante des Schuhes kippt.
Diesem langen Hebel mit seinem Drehmoment ist kein Außenband gewachsen!
Der Fuß ist zum Greifen da. Das Bein ist so stark wie seine Zehen
Der barfüßige Fuß kann ebenso greifen wie die Hand. Im Schuh wird die
Greifbewegung blockiert. Man kann natürlich sagen, dank des Schuhes
benötige man dieses Greifen nicht. Die kleinen Zehenmuskeln gehören
jedoch zum Gesamtsystem, ebenso wie die großen Muskeln. Im Körper sind
die schwächsten Teile die Chefs...
Die Achillessehnenmuskulatur endet distal der Grundgelenkslinie der Zehen. Die Achillessehnenmuskeln sind Greifmuskeln der Zehen. Behindert man die Greiffunktion der Zehen, dann behindert man damit die Funktion der Hauptmuskeln des Unterschenkels.
Je schmaler der Vorfuß, desto langsamer der Mensch.
Ein gesunder Fuß geht noch vorne wie ein Fächer auseinander. Die meisten
Muskeln des Beines enden im Großzehstrahl. Wenn der Vorschuh schmaler
ist, als der Mittelfuß, dann wird der Großzeh zur Fußmitte hin abgelenkt.
Typisch ist ein Ablenkwinkel von 40°. D.h., um die Kraft des Beines in
der gewünschten Vortriebsrichtung auf den Boden zu bringen, muß das Bein
um jene 40° nach innen gedreht werden, da der Zeh schuhbedingt nicht
mehr an derjenigen Stelle steht, wo die Natur ihn vorgesehen hat. Man
läuft Zickzack statt geradeaus. Das bremst.
Die vom Schuh erzwungene Innenrotation des Beines findet auch nicht
von alleine statt. Irgendwelche Muskeln müssen sie durchführen. Die Gelenke,
welche Längsrotation erlauben, sind Knie- und Hüftgelenk. (Das Knie ist
ein Kugel-, kein Scharniergelenk!). Die entsprechenden Muskeln sind ob
ihrer einseitigen Belastung irgendwann am Ende. Es kommt zu Schmerzen,
typischerweise auf der Innenseite des Kniegelenkes (als Innenmeniscus
meist apostrophiert, in Wirklichkeit der Schneidermuskel), oder auf der
Innenseite des Hüftgelenkes (Leistenschmerz).
Letzteres wird dann als Früharthrose bei zu viel Sport verkauft. Muskulär: M.iliacus, M.gluteus med. oder beide.
Der Schuh hat auch Vorteile. Er bietet Schutz vor Verletzungen. Man
kann den Fußball treten, ohne Zehen zu brechen. Spikes an der Sohle verstärken
die Greiffunktion usw.
Trotzdem: Im Schuh verkümmern die Muskeln. Deswegen: Der Fuß sollte stets einem gezielten Muskeltraining unterworfen werden, um die Nachteile des Schuhes rechtzeitig zu kompensieren.
Der Mensch ist ein Zweibeiner, aber ein Zweibeiner wie der Vogel und
nicht wie das Känguruh. Die zweibeinige Fortbewegung ist ökonomischer
als die vierbeinige Fortbewegung. Der Zweibeiner muß beim Laufen lediglich
seine Beine bewegen, der Vierbeiner den gesamten Körper. So ist unter
den derzeit lebenden Tieren auf dieser Erde auch nur der Vogel Strauß
ausdauernder als der Mensch.
Wenn allerdings der Zweibeinergang in den vierbeinigen Laufstil überführt
wird, dann kommt nicht viel dabei heraus. Dies ist jedoch der typische
Laufstil des modernen Menschen, der seinen Vorfuß mit Hilfe von Schuhwerk
funktionell amputiert hat. Der moderne Lauf ist eine abgefangene Fallbewegung,
keine aktive Vorwärtsbewegung. Damit gehen die Vorteile der Zweibeinigkeit
verloren.
Walter Packi
- Arzt -