Die Logik der Schmerzen
Institut für Biokinematik
Die Biologische Kinematik
oder:
Schmerzhaft ist die Bewegung nicht das Gewebe. Nicht der Nerv, das Gelenk
oder der Knochen tun weh, sondern die Bewegung. Das kann jeder feststellen,
der Schmerzen hat. In Ruhe geht der Schmerz zurück, bei Bewegung flammt er
auf. Wenn das Gewebe den Schmerz machen würde, dann müßte es dauerhaft weh
tun.
Also stellt sich die Frage: Was ist denn das - "Die Bewegung"?
Zum Glück für uns alle wurde diese Frage in der Mathematik vor ca. 100 Jahren ziemlich gut erforscht und dargelegt. Es interessiert nur heute keinen mehr, obwohl jeder Mensch jede Sekunde seines Lebens sich nach den Gesetzen der Kinematik zu richten hat (s. >Kinematik).
Was stattdessen in den Köpfen herumgeistert, das ist die Kraft, die man spürt, wenn man etwas tut. Die Kraft alleine genügt jedoch nicht. Was der Körper tut, das ist Arbeiten. Kraft aufbringen und Bewegen - gleichzeitig! (Kraft mal Weg = Arbeit)
Wenn Sie Autofahren, dann lösen sie erst die Handbremse, damit die PS unter der Haube auch wirksam werden können. Gasgeben alleine reicht nicht. Das hat jeder in der Fahrschule gelernt. Im Gegenteil, die Kraft muß meistens sogar gedrosselt werden. Wenn Sie mit zuviel Kraft in die Kurve fahren, dann kann das die letzte Kurve gewesen sein.
In der Medizin hat sich das noch nicht herumgesprochen. Hier wird Kraft trainiert. Das nennt sich MTT, "medizinische Trainingstherapie" und wird natürlich von den Gesundheitskassen bezahlt. Viele PS gegen den schmerzhafen Rücken. Je mehr Tarzan desto weniger Schmerz ist die naive Devise. Ist jedoch ein zuverlässiges Geschäft, da ein Gesundwerden dadurch bestimmt nicht möglich ist.
Kraft und Weg kommen beide vom Muskel. Der produziert die Kraft und legt den Weg fest.
Die Kraft hängt von der verfügbaren Muskelmasse ab.
Der Weg, die geometrische Bewegungsbahn, hängt von der Form des Muskels ab. So wie der Kurvenverlauf einer Straße sich nach dem Gelände richtet, so richtet sich die Bewegung des Körpers nach der Form des Muskels.
Ein Muskel besteht aus vielen einzelnen Fasern. So wie die Finger der Hand zeigt jede Faser in eine andere Richtung. Wenn der Muskel arbeitet, dann wird der Knochen, der an diesem Muskel hängt, auf einer bestimmten Bahn herangezogen. Wie diese Bahn aussieht ergibt sich aus der Zusammenarbeit der beteiligten Fasern. Es ist jedenfalls kein Kreis und keine Gerade.
Ob der Knochen mit viel Kraft oder mit wenig Kraft herangezogen wird, hat auf die Bahn keinen Einfluß.
Ob Sie sich beim Hexenschuß mit viel Kraft oder mit wenig Kraft aufrichten wollen, dem Schmerz ist das egal.
Schmerz entsteht, wenn die Bahn der Bewegung gestört ist, nicht wenn die Kraft fehlt.
Schmerztherapie ist die Wiederherstellung der korrekten Bewegungsbahn.
Dazu muß das System in seiner Gesamtheit beachtet werden und nicht nur in Einzelteilen. Denn ein Muskel arbeitet niemals alleine. Zur Bewegung gehören immer mindestens zwei Muskeln, ein Gelenkband, ein Gelenk und zwei Knochen. Das ist die Biokinematische Bewegungseinheit.
Der einzige mögliche Weg ein gestörtes System wieder in Ordnung zu bringen, das ist die Inanspruchnahme der körpereigenen biologischen Korrekturmechanismen.
Was unausweichlich zusätzliche Störungen und Schädigungen nach sich zieht, das strukturelle Änderungen im System, also (orthopädische) Operationen. Das ist so, als würden Sie, wenn zuwenig Luft im Reifen ist, einen Wagenheber unter das Auto montieren.
Wenn jemand bei Ihnen wegen Schmerzen operieren will, dann nehmen Sie Reißaus!
Walter Packi
Arzt
Mrz. 2005