Die Logik der Schmerzen Institut für Biokinematik Die Biologische Kinematik
 
Das Prinzip
Kinematik Definition, (Brockhaus)
Biokinem. Bewegungseinheit
Fingerdrucktechnik
Formbildende Kräfte
Muskelarbeit kinematisch
Neue Therapietechniken
Patient wird selbständig
Rezeptorenkrankheiten
Schmerz kinematopathologisch
Zwei Schmerzen
Schmerztherapie heute
 
 
 
 

Walter Packi
Arzt für Allgemeinmedizin
Begründer der Medizin nach der Biokinematik


 

 

Die gängigen Vorstellungen der Schmerztherapie

Diskussion der Definition
Schmerz und Schmerzrezeptoren
Nerven und schmerzleitende Nervenfasern
Schmerz und Nervenkompression (Ischialgie)
Schmerz als Warn- und Schutzfunktion
Schmerz und Schaden (Noziception)
Schmerz trotz Anästhesie

Entzündung und Schmerz
Verschleiß und Schmerz
Osteoporose und Schmerz
Lähmungen - neurogen oder myogen
Transcutane ElektroNeuroStimualtion (TENS)
Analgetica und Opiate

Orthopädische Operationen
Bandscheibenschaden

Schmerz nach Unfällen
Psyche und Schmerz
Schmerz macht Angst
Bewegung und Schmerz

Schlußbemerkung

Schmerztheorie heute

“Offizielle” Definition des Schmerzes:

"Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird."

PAIN An unpleasant sensory and emotional experience associated with actual or potential tissue damage, or described in terms of such damage.
("International association für the study of pain" "PAIN" Band 6, S. 249-252 1979)

Migräne war früher eine exquisite Krankheit der höheren Schicht, heute ist sie eine Massenseuche (6-8 Millionen alleine in Deutschland). Früher haben die Menschen große Lasten auf ihren Rücken getragen, ohne Lähmungen zu bekommen, heute wird gar nichts mehr getragen und die Bandscheibenoperationen sind zu einer Massenerscheinung geworden.

Die wissenschaftliche Schmerzforschung verschlingt Milliarden Forschungsgelder und die Schmerzkranken werden immer mehr. Das Phänomen Schmerz wird in hunderte verschiedener Schmerzarten zergliedert. Alleine bei den Kopfschmerzen werden ca. 150 unterschiedliche Schmerzen aufgelistet.

Der Text der “Definition” des Schmerzes, wie er nach damals langjähriger Diskussion 1979 festgelegt wurde, spricht für sich selbst. In einer Mischung aus naturwissenschaftlicher Präzision und mittelalterlichem Subjektivismus beschreibt er gleichzeitig alles und nichts.

Diese Definition des Schmerzes ist die geltende Leitschnur für jede Schmerzforschung und jede Schmerztherapie. So schwammig wie die Definition sind denn auch die resultierenden Folgen.
Die unklare Schmerzdefinition führt zu in sich widersprüchlichen Therapieverfahren mit einschneidenden Konsequenzen für die Patienten, denkt man alleine an die orthopädischen und neurochirurgischen Operationen, die ausschließlich wegen bestehender Schmerzen durchgeführt werden.

Ein und derselbe Schmerz kann u.U. mit Analgetica, Hypnotica, Akupunktur, Psychotherapie, Physiotherapie, diverse Operationen, Kältetherapie, Wärmetherapie, Elektrotherapie, Ultraschalltherapie, Lasertherapie, Chirotherapie, Injektionstherapie, Transcutane Elektroneurostimulation, u.v.m. therapiert werden und der Schmerz bleibt trotzdem bestehen.

Die medizinische Versorgung war noch nie in der Geschichte so gut wie heute, die Lebenserwartung noch nie so hoch. Gleichzeitig gab es noch nie so viele schmerzkranke Menschen wie heute.
Auf der einen Seite also eine zunehmende Gesundung der Menschen, auf der anderen Seite eine Zunahme der Schmerzbeschwerden. Wie paßt dies logisch zusammen? Welche Fehler macht die Medizin?

Diskussion der Definition

"Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird."

Schmerz ist unangenehm, daran ist nicht zu zweifeln.

Daß Schmerz ein Sinneserlebnis sein soll, wirft die Frage nach der spezifischen Sinnesenergie auf, die wie die Lichtenergie oder die Schallenergie im Körper auf spezifische Sinnesorgane trifft. Was ist in naturwissenschaftlichem Sinne die “Sinnesenergie Schmerz”?

“Gefühl” als physiologischen Begriff gibt es nicht mehr, seit in der Medizin naturwissenschaftliche Regeln eingeführt wurden. In der Psychiatrie mag der Begriff des Gefühls noch zulässig sein. Eine Definition, was Gefühl exakt sein soll, wird man auch hier vergeblich suchen.

Auch wenn ein jeder meinen mag, zu verstehen, was unter Gefühlerlebnis gemeint ist, als Begriffsbestandteil einer Definition ist er unbrauchbar. Gefühle gibt es viele unterschiedliche sowohl angenehme wie unangenehme. Mit Schmerz muß dies nichts zu tun haben.

Gewebsschädigungen sind in der Pathologie bis in das letzte Detail darstellbar und spätestens mit dem Elektronenmikroskop sichtbar zu machen. Gewebsschädigungen sind spezifisch definierbar und beschreibbar und führen in aller Regel zu einer Verkürzung der Lebenserwartung. Gerade die chronischen Schmerzen zeigen jedoch, daß jahrzehntelang Schmerzen bestehen können, ohne daß irgendeine Krankheit feststellbar ist und ohne daß die Lebenserwartung sinkt, eine Gewebsschädigung also offensichtlich nicht vorliegt.

Der Begriff der potentiellen Gewebsschädigung setzt eine zugehörige unterschwellige Phantasie des betroffenen Patienten voraus, welche eine entsprechende schmerzproduzierende Gewebsschädigung im eigenen Körper konstruiert, die gleichzeitig von keinem Pathologen der Welt verifiziert werden kann.

Definitionsgemäß sind dies sämtliche chronisch schmerzkranken Patienten. Hier ist materiell nichts zu finden, also wird die Realität zur potentiellen Realität transzendiert. Die “potentielle” Gewebsschädigung als Ersatzkonstrukt für die tatsächliche Schädigung befördert damit den chronisch Schmerzkranken in den realen Transzendenzzustand.

Schmerz ist also ein unangenehmes Gefühlserlebnis, welches die potentielle Gewebsschädigung des materialisierten Geistkörpers ausdrückt. Hildegard v. Bingen war hier bodenständiger.

Bedauerlicherweise sind Patienten mit dieser Zuordnung zu einem vergeistigten Status wenig zufrieden und setzen alles daran, ihr irdisches Dasein erträglich zu machen. Sie setzen sich Therapien aus, die dann mit tatsächlichen Schädigungen verbunden sind, also Operationen, Schmerzmitteln usw.

Daß damit dann Schmerzen bisweilen tatsächlich verschwinden, wirft nun unmittelbar die Frage auf, wieso reale Schädigung zur Schmerzfreiheit führen kann, und wieso tatsächliche Gesundheit mit Schmerz verbunden sein kann.

Irgendetwas kann mit der Theorie über den Schmerz nicht ganz stimmen.

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Schmerztheorie und Schmerztherapie im Einzelnen.

Schmerz und Schmerzrezeptoren.

Sinneserlebnisse sind in der Physiologie klar definiert und beschrieben.

“Wissenschaftlich” wird davon ausgegangen, daß der Körper mit Schmerzrezeptoren durchsetzt ist, die insgesamt eine Art Sinnesorgan für Schmerz darstellen sollen. Die Schmerzrezeptoren werden seit Mitte der 80-iger Jahre, seit dem Weltschmerzkongress in Hamburg, mit den sog. freien Nervenendigungen gleichgesetzt. Diese freien Nervenendigungen sollen im Stande sein, diejenigen Einflüsse, die von außen auf den Körper treffen und Schmerz verursachen, als “Sinnesenergie Schmerz” wahrzunehmen und weiterzuleiten.

Während für die anderen Sinnesorgane, wie Auge und Gehör, das Gesetz der Spezifität der Sinnesenergien gilt, - das Auge sieht und das Ohr hört -, kann für die Funktion der Schmerzrezeptoren dieses Gesetz nicht in Anspruch genommen werden, da unterschiedlichste Reizarten zu Schmerz führen. Ein Schlag mit dem Hammer führt ebenso zu Schmerz wie ein Reiz mit elektrischen Strom, mit Ultraschall oder mit chemischen Substanzen wie Capsicain. Schmerzrezeptoren können, nach wissenschaftlicher Auffassung, diese unterschiedlichsten physikalisch-chemischen Reize gleichermaßen verarbeiten.

Es fehlt die Erklärung dafür, daß diese Rezeptoren Reize verarbeiten können sollen, die es in der gesamten Erdgeschichte bis dato noch nie gegeben hat, da diese erst in den letzten Jahrzehnten aufgetreten sind (Ultraschall, elektrischer Strom). Die Evolution hat hier also - nach dem Stande der Wissenschaft - vorausdenkend vorgesorgt, daß ab dem 20. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung Ultraschall schmerzhaft perzipiert werden kann.

Im Gegensatz zu den sonstigen Sinnesorganen hat sich das sinnesphysiologische Verhalten der Schmerzrezeptoren der Erforschung bisher entzogen. Die organspezifischen Funktionsmerkmale wie Schwellenpotential, Chronaxieverhalten, Refraktärverhalten etc. entziehen sich bei den Schmerzrezeptoren der Beobachtung.

Die ansonsten allgemein anerkannten Gesetze der Sinnesphysiologie werden in bezug auf den Schmerz einerseits in Anspruch genommen, andererseits beliebig abgewandelt

Eine offene Frage ist, wie Schmerzen dort wahrgenommen werden können, wo keine Schmerzrezeptoren existieren. Gelenke z.B. sind frei von Rezeptoren, gleichzeitig ist der Gelenkschmerz ein weitverbreiteter Begriff (Arthroseschmerz) und damit Anlaß und Begründung für entsprechende Gelenkersatzoperationen.

Eine ebenso offene Frage ist, wie Schmerzen wahrgenommen werden können, wenn äußere Einflußnahmen gar nicht existieren, wenn ein Schmerz spontan, endogen entsteht.

Letztlich bleibt die Frage, ob Schmerzrezeptoren überhaupt existieren. Die Gleichsetzung von freien Nervenendigungen und Schmerzrezeptoren entbehrt bis heute jeden Beweises.

Wenn ein Sinnesorgan, wie das Auge mit Licht in Kontakt kommt, dann wird dieses Licht wahrgenommen und die Information darüber an das Gehirn weitergeleitet. Wenn der Kontakt mit dem Licht beendet ist, dann gibt es keine Lichtinformation mehr.

Wenn durch ein Ereignis, wie einem Schlag mit dem Hammer, ein Schmerz zustande gekommen ist, dann bleibt der Schmerz bestehen, auch wenn das Schlagen mit dem Hammer aufgehört hat.

Ein Sinnesorgan leitet Reize lediglich solange weiter, wie diese auch eintreffen. Wenn es beim Schmerzprozeß irgendwie um Sinnesprozesse ginge, dann müßte der Schmerz mit Beendigung der schmerzverursachenden Sinnesenergie beendet sein. Dies ist jedoch nicht so. Im Gegenteil, oft genug wird der Schmerz später noch viel stärker wahrgenommen als zu Beginn nach einer Verletzung.

Schmerz ist also nicht etwas, was von außen zugefügt wird. Schmerz entsteht im Inneren des Körpers. Es ist deswegen nicht richtig zu sagen, daß Schmerz im Sinne einer bestimmten Sinnesenergie wie Hören und Sehen auf den Körper einwirkt.

Zur Entstehung von Schmerzen ist das Vorhandensein spezifischer Schmerz-Sinnesorgane nicht notwendig. Der Schmerz kann auch ohne Sinnesorgane erklärt werden. Damit ist gleichfalls die Existenz spezieller Schmerz-Nervenfasern hinfällig.

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Nerven und schmerzleitende Nervenfasern

Nerven übermitteln die Signale von Sinnesrezeptoren an das Gehirn. Nach der Verarbeitung der Information im Zentralen Nervensystem (ZNS) werden Signale mittels der Nerven an die Peripherie übermittelt, um die Reaktionen auf die eingegangenen Informationen in die Realität umsetzen zu lassen. Nerven übermitteln Signale, sie stellen selbst keine Signale her, auch keinen Schmerz. Wenn ein Nerv krank ist, gibt es keine Übermittlung, die Leitung ist tot.

Nerven dienen der Informationsübermittlung und nicht er Informationsherstellung. Dies ist wie beim Telefon. Im Telefonkabel können elektrische Impulse gemessen werden, welche vom Telefonapparat stammen. Dieser hat sie über das Hörerkabel vom Telefonhörer bekommen und der Hörer von demjenigen, der hineinspricht. Die Impulse haben jeweils unterschiedliche physikalische Eigenschaften, der Informationsgehalt ist stets der gleiche.

Wenn experimentell z.B. durch einen Hitzereiz Schmerzen hervorgerufen werden, dann können in bestimmten Nervenfasern Aktivitäten gemessen werden. Daraus wurde geschlossen, daß, da die sonstigen Nervenfasern jeweils bestimmte spezifische Funktionen aufweisen und diese auch nicht austauschbar sind, die bei Schmerz aktiven Fasern der Übermittlung der Schmerzinformation dienen. Dies gelten als die Schmerzfasern.

Es wurden verschiedene Schmerzfasern gefunden; langsam leitende und schnell leitende Fasern, Fasern für Eingeweideschmerz und Fasern für akuten Schmerz (protopathischer und epikritischer Schmerz.

Ebensowenig wie ein Telefonkabel kann ein Nerv seine Nervenimpulse selbst herstellen. Diese Impulse werden von seinem Endorgan produziert und den Nerven zur Weiterleitung übergeben. Was in einem Nerven gemessen wird, ist die Information, die von dessen Endorgan, z.B. einem Sinnesorgan produziert wurde. Wie sieht aber das Sinnesorgan aus, welches in den unterschiedlichen schmerzleitenden Fasern diese Aktivitäten hervorruft?

Wenn Schmerz eine Sinnesenergie sein soll, dann ist es demnach nicht möglich, daß Schmerz innerhalb eines Nerven entsteht. Ein Nerv kann Schmerz nicht selbst herstellen, ebensowenig, wie er sonst irgendwelche Aktivitäten selbst herstellen kann. Insbesondere kann in einem Nerven keine Information Schmerz entstehen, wenn der Nerv mechanisch gequetscht wird, da dieser Nerv funktionell tot ist.

Wenn ein Nerv gequetscht wird, dann stellt er seine Funktion ein, das heißt, es wird nichts mehr vermittelt. Beim motorischen Nerven entsteht die Lähmung, beim sensiblen Nerven die Anästhesie (Druckparese). Wenn ein Nerv gequetscht wird, dann geht also das Gefühl verloren, der Betroffene spürt nichts. Dem einerseits funktionslosen Nerven andererseits eine eigenständige neue Funktion zuzubemessen, ist in sich unlogisch.

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Schmerz und Nervenkompression (Ischialgie)

Jeder kennt wohl das Erlebnis, daß die Beine “einschlafen”, wenn man auf einer harten Stuhlkante sitzt. Der Nervus ischiadicus wird mechanisch komprimiert, bis er seine Funktion aufgibt. Zuerst versagen die sensiblen Fasern, dann die motorischen Fasern. Bemerkbar wird diese Druckschädigung erst dann, wenn der Betroffene vom Stuhl wieder aufstehen will. Das Bein gehorcht nicht, das Eigengefühl ist gestört. Mit der Regeneration der Funktionen ist zwischenzeitlich das typische Ameisenlaufen zu fühlen. Schmerz entsteht hierbei nicht.

Wenn die mechanische Kompression länger dauert, als einige Minuten, dann kommt es zu irreversiblen Schädigungen des Nerven bis hin zum Totalausfall. Die Regeneration dauert dann Monate, falls sie überhaupt zustande kommt.

Derselbe Nervus ischiadicus, zwei Handbreit oberhalb des Bereiches, der mit der Stuhlkante unerfreulichen Kontakt bekommen kann, soll gemäß der Theorie von den benachbarten Bandscheiben durch gleichartigen Kompressionsschaden derart reagieren, daß es nicht nach wenigen Minuten zum Funktionsausfall kommt, sondern stattdessen zu den unerträglichen Schmerzen, die als Hexenschuß, Lumbalgie u.ä. bezeichnet werden.

Wieso ein und derselbe periphere Nerv in seinem Verlauf trotz identischer Schädigungspathologie so unterschiedlich reagieren soll, hierzu fehlt jede schlüssige Erklärung.

Schmerz als Warn- und Schutzfunktion

Daß Schmerz eine Warn- und Schutzfunktion ausübt, entspricht allgemeinem Konsens. Doch vor was soll Schmerz warnen und schützen, und wie geht dies vonstatten? Welchen Sinn hat die Warn- und Schutzfunktion des Schmerzes, wenn der Schmerz erst eintritt, nachdem man sich mit dem Hammer auf den Finger gehauen hat? Die Schutzfunktion hat hier offensichtlich versagt, denn eigentlich sollte es weh tun, bevor man sich auf den Finger schlägt.

Und welchen Sinn hat der Schmerz, wenn er Minuten, Stunden und Tage nach dem Verletzungsereignis immer noch vorhanden ist, wenn die Ursache schon längst Vergangenheit ist? Vor dem Eintritt einer Schädigung kann Schmerz also nicht bewahren.

Der Schmerz hat keinerlei Warn- oder Schutzfunktion.

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Schmerz und Schaden (Noziception)

Schmerz wird regelmäßig als ein Warnsignal vor einem Schaden aufgefaßt. Schmerz wird gleichgesetzt mit Gefahr oder Krankheit.

Ein echter Schaden geht letztlich auf Kosten der Lebenserwartung. An Schmerz ist jedoch noch niemand gestorben. Schmerz verkürzt die Lebenserwartung nicht, was daran zu erkennen ist, daß heute gleichzeitig die Lebenserwartung wie auch die Anzahl der Schmerzpatienten steigt. Schmerz kann das Leben zur Qual machen, ist jedoch selbst offensichtlich kein Zeichen von Krankheit. An Lungenentzündung kann man sterben, Schmerzen wird man deswegen nicht haben. Ein Knochenbruch ist äußerst schmerzhaft, jedoch kaum lebensgefährlich.

Schmerz und Schaden sind Dinge, die offensichtlich irgendwie zusammengehören. Vom Schmerz auf die Gefährlichkeit einer Krankheit oder eines Schadens zu schließen, ist offensichtlich nicht möglich.

Bei welchem Schaden entsteht Schmerz und bei welchem Schaden entsteht kein Schmerz? Hat Krankheit überhaupt etwas mit Schmerz zu tun?

Schmerz trotz Anästhesie

Ein Patient hat starke Schmerzen an seiner oberen Kniescheibenspitze (Prox. Patellaspitzensysndrom). Der schmerzhafte Bereich wird mit einem örtlichen Betäubungsmittel unterspritzt, lokalanästhesiert. Der Schmerz verschwindet zunächst, um nach 10 Minuten in gleicher Weise wieder aufzutreten.

Die Überprüfung der lokalen Situation ergibt, daß das Gewebe um die Kniescheibe vollständig betäubt ist. Nadelstiche werden nicht gespürt. Es könnte operiert werden, ohne daß der Patient etwas spürt. Trotzdem gibt der Patient Schmerzen im anästhesierten Bereich an, wo die Nerven betäubt sind, wo der Patient seinen eigenen Körper nicht mehr wahrnehmen kann.

Wie läßt sich dies mit bestehenden Theorien erklären? Offensichtlich ist das Schmerzgeschehen nicht unbedingt an lokale Prozesse gebunden, sondern unterliegt einer höheren Ordnung. Nerven spielen jedenfalls keine Rolle.

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Entzündung und Schmerz

Wenn etwas weh tut, dann wird oft von einer Entzündung gesprochen. Speziell im sportmedizinischen Bereich ist der Rückgriff auf die “Entzündung” beliebt - mit breiter Akzeptanz beim medizinischen Laien.

Der Begriff der Entzündung ist in der Medizin sehr genau definiert. Zur Entzündung gehören die klinischen Zeichen rubor (Rötung), calor (Überwärmung), tumor (Schwellung) und functio laesa (gestörte Funktion), sowie deren biochemische Parameter. Der Schmerz gehört nicht zur Entzündung.

Es gibt nur eine Entzündung, welche ohne Rötung abläuft, dies ist die Tuberkulose. Sie heißt deswegen auch tumor albus, die weiße Schwellung.

Pathologisch sind Entzündungen recht genau erforscht. Es gibt physikalische, chemische, biologische (z.B. bakterielle) und immunologische Entzündungen.

Lungenentzündung oder Sonnenbrand sind Entzündungen. Der Tennisellbogen ist keine Entzündung.

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Verschleiß und Schmerz

Tote Materie kann verschleißen. Verschleiß bedeutet Materialverlust durch Abrieb. Wenn in der Technik ein Material verschlissen ist, wird es ersetzt.

Der Körper besteht aus lebendigen Zellen. Jedes Organ besteht aus spezialisierten Zellen. Diese Zellen leben unterschiedlich lange, z.T. nur wenige Tage und Stunden. Es findet in jedem Gewebe (außer dem Nervengewebe) ein dauernder Zellumsatz statt. Zellen sterben ab, neue entstehen.

Die Organe mit ihren Zellen können sich in weiten Bereichen an Belastungen anpassen. Auf Belastung reagiert der Körper mit Verstärkungsmaßnahmen. Wer viel mit Händen, arbeitet bekommt Hornhaut. Wer viel mit Kraft arbeitet, bekommt starke Muskeln. Verstärkungen finden nicht nur an der Körperoberfläche statt, sondern auch innen, wo man es nicht sieht. Starke Muskeln erfordern starke Knochen und starke Bänder.

Solche Verstärkungsmaßnahmen sind teilweise von außen sichtbar (Hornhaut, dicke Muskeln). Teilweise sind sie nur mit Röntgenstrahlen sichtbar zu machen (Sklerosierungen über Gelenken, Osteophyten, Spondylosen etc.). Diese Veränderungen sind das Gegenteil von Verschleiß.

Nur weil bei körperlichen Belastungen möglicherweise Beschwerden auftreten, heißt dies nicht, daß der Körper verschleißen würde.

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Osteoporose und Schmerz

Wenn der Muskel stärker wird, dann wird er sichtbar größer. Die Kraft des Muskels wird an die Knochen weitergegeben, die entsprechend kräftig sein müssen. Starke Muskeln ergeben starke Knochen und umgekehrt.

Wenn Knochen stärker werden, dann werden sie dichter. Wenn sie schwächer werden, dann werden sie weniger dicht. Letzteres nennt man Osteoporose im Gegensatz zur Osteosklerose, der Verdichtung. Beides ist von außen nicht sichtbar, sondern nur mit Röntgentechnik darstellbar.

Der Knochen steht in einem permanenten Umbauprozeß. Die Halbwertszeit des Knochens beträgt ca. 10 Tage, d.h. nach 10 Tagen ist die Hälfte der Knochenmasse erneuert. Der momentan vorhandene Knochen ist somit einige Wochen alt und keineswegs 50 oder 70 Jahre alt.

Das Gerede mit den "alten Knochen" sollte man sich also aus dem Kopf schlagen. Wenn jemand seine Osteoporose beseitigen will, dann soll er Steine schleppen, nicht sich schonen. Daß Osteoporose mit Schmerz verbunden ist, zeigt die tägliche medizinische Praxis. Daraus zu schließen, daß die Osteoporose selbst die Schmerzen verursacht, ist nicht schlüssig und medizinisch zu kurz gegriffen.

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Lähmungen - neurogen oder myogen

Lähmungen gibt es, wenn vom Gehirn an die Muskulatur keine Signale mehr übermittelt werden können, wenn der Nerv tot ist. Dies sind neurogene Lähmungen, z.B. Kinderlähmung.

Lähmungen gibt es auch, wenn die Funktion der Muskulatur so gestört ist, daß eine Bewegung nicht mehr möglich ist. (Muskellähmung, myogene Lähmung). Nicht jede Lähmung kommt vom Nerv. Eine starke Ermüdung z.B. ist eine relative myogene Lähmung, die jeder kennt.

Es gibt verschiedene myogene Lähmungen, bei denen jeweils die Nerven gesund sind. Die Radiuköpfchenluxation beim Kind (M. Chassaignac) ist eine klassische myogen-skelettale Lähmung bei intaktem Nerv (Entgleisung der Kinematik).

Lähmungserscheinungen mit Schmerzen, die Bandscheibenschäden zugeschrieben werden, sind typische myogene Lähmungen ausgehend vom Darmbeinmuskel (M.iliacus) und nicht Nervenschäden des Ischiasnerven.

Lähmung ist also nicht gleich Lähmung. Unklare Lähmungen Nervenschädigungen zuzuschreiben, ist zu kurz gegriffen und führt zu gefährlichen therapeutischen Konsequenzen.

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Transcutane ElektroNeuroStimualtion (TENS)

Dies ist eine Variante der Elektrotherapie, bei der Elektroden nicht wie sonst über Muskeln, sondern über Nerven positioniert werden. Der Gedanke ist, daß über entsprechend gepulste und entsprechend polarisierte Strom- und Spannungspulse die Aktivitätsimpulse (Spikes) von Schmerzfasern komplementär beeinflußt werden und im Idealfall aufgehoben werden.

Es werden Elektroden im Verlauf des peripheren Nerven auf die Körperoberfläche aufgebracht und durch Austesten von Strom, Spannung, Pulsrate und Pulsform eine schmerzbefreiende Wirksamkeit gesucht.

So schön der Gedanke sich anhört, so wenig verträgt er sich mit der physikalischen Realität. Elektrischer Strom sucht sich den Weg des geringsten Widerstandes, dies auch im menschlichen Körper. Es gibt Gewebsarten, die Strom gut leiten und andere die schlecht leiten. Besonders schlecht leiten Nerven den elektrischen Strom, und besonders gut leitet den elektrischen Strom die Muskulatur.

Wieso ausgerechnet bei der TENS der Strom entgegen sonstigen Gewohnheiten seinen Weg nicht durch die Muskulatur verfolgt, sondern vielmehr Hautgewebe, Unerhautfettgewebe und Muskulatur in diesem Fall rechtwinklig überspringt und sich ausgerechnet in demjenigen Körpergewebe, dem Nerv, festsetzen soll, welches eigens durch spezielle Zellen elektrisch isoliert ist, dies bleibt Geheimnis der Protagonisten von TENS.

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Analgetica und Opiate

Analgetica sind Arzneimittel, die, sofern sie wirken, zu Schmerzfreiheit führen, solange sie sich im Körper befinden.

Opiate und Opiatderivate sind Hypnotica, die das Bewußtsein verändern, sodaß im gegebenen Fall der Schmerz nicht mehr als unangenehm wahrgenommen wird, solange sich das Präparat im Körper befindet. Schmerzfreiheit im eigentlichen Sinne entsteht nicht, der Schmerz bleibt bestehen, er stört bloß nicht mehr. Opiate dissoziieren das Eigenbewußtsein von der Schmerzwahrnehmung. Hypnotica sind keine Analgetica.

Analgetica bewirken eine Veränderung im Körper, Opiate eine Veränderung im Bewußtsein.

Medikamentöse Bewußtseinsveränderung ist in ihrer Wirksamkeit von der Bewußtseinslage insgesamt abhängig. Die jeweilige Bewußtseinslage ist von vielen weiteren Faktoren, inneren, wie äußeren abhängig und modulierbar. Die psychiatrische Schmerztherapie beruft sich auf diese Zusammenhänge.

Wenn Opiate ausreichend wirksam in der Schmerztherapie wären, dann hätten sämtliche opiatversorgten Patienten keine Schmerzen mehr. Dies ist bekanntlich nicht der Fall.

Damit Opiate sinngerecht eingesetzt werden können, müßte vorab festgestellt werden, bei welcher Bewußtseinskonstellation Opiate überhaupt effektiv sein können. Dies ist bis heute nicht bekannt.

Dauerhafte medikamentöse Bewußtseinsveränderung zieht früher oder später irreversible Bewußtseinsstörungen des Betroffenen nach sich. Die Schmerzen bleiben, das Bewußtsein ist gestört - die ideale Falle in Richtung Suchtabhängigkeit.

Wie soll solch ein Patient jemals wieder die Eigenkontrolle über sich selbst zurückbekommen?!

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Orthopädische Operationen

Orthopädische Operationen verändern, im Gegensatz zu unfallchirurgischen Operationen, gezielt die Geometrie des Körpers. Während in der Unfallchirurgie - ehemals Wiederherstellungschirurgie genannt - möglichst achsen- und winkelgerecht wiederhergestellt wird, was die Natur vorgegeben hat, verfolgt die Orthopädie das gegenteilige Ziel. Achsen und Winkel werden mit Absicht verändert, Muskeln werden verlagert, Bandstrukturen werden verlegt.

Der Körper als ein sich selbst organisierendes System wird in seiner Autonomie empfindlich gestört.

Obwohl in der Orthopädie bisher keine Vorstellung darüber existiert, nach welchen gesetzmäßigen Kriterien die Mechanik des Körpers aufgebaut ist, ist die Orthopädie gleichwohl der festen Überzeugung, diese Mechanik des Körpers “verbessern” zu können. X-Beine und O-Beine werden “begradigt”, Schenkelhälse werden abgeflacht oder aufgerichtet, Kinder werden vorsorglich umgestellt. Dies alles im Sinne der Schmerztherapie.

Grundlage ist ein Denken, welches die Statik des Menschen im Blickfeld hat, wobei vergessen wird, daß der Mensch den Gesetzen der Statik überhaupt nicht unterliegt. Denn der Mensch bewegt, solange er lebt. Zur Ruhe, also in die Stase, kommt er erst mit dem Tode.

Ein Gebäude untersteht den Gesetzen der Statik. Eine bewegte Struktur, wie der Mensch oder ein Auto, unterliegt den Bewegungsgesetzen, also der Kinematik. Wenn ein bewegter Körper nach den Gesetzen der Nichtbewegung behandelt wird, dann wird er geschädigt und nicht gebessert.

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Bandscheibenschaden

Die Bandscheibe ist anatomisch weder Band noch Scheibe. Zur Bandscheibe wird diese erst, nachdem sie ein Jahr im Formalinbad gelegen hatte und entwässert wurde.

Die Bandscheibe im lebendigen Körper ist ein passives Bauteil im mechanischen Gefüge. Wenn sie verlagert ist, dann sollte gefragt werden, welche Kraft und welche Struktur im Stande ist, zu dieser Verlagerung zu führen. Von alleine bewegt sie sich schießlich nicht.

Im Lendenbereich wird argumentiert, daß dies die statische Belastung sei, die zur Verlagerung führe. Wie dies im Hals-Bereich sein soll, wird offen gelassen.

Obwohl es offensichtlich ist, daß die Ursache der Bandscheibenverlagerung nicht in der Bandscheibe selbst liegen kann, wird der Einfachheit halber diese chirurgisch entfernt, zunehmend ambulant und mikroinvasiv. Daß damit der Patient danach auf die Funktion dieser doch nicht unwichtigen Struktur verzichten muß, wird akzeptiert.

Daß Schmerzen trotz Bandscheibenentfernung weiter existieren, führt in der real existierenden Medizin nicht zu einer Infragestellung der Operationsindikation, sondern zu einer Generierung einer neuen Krankheit, dem Postdiskektomiesyndrom, also einer Krankheit, die erst durch die chirurgische Intervention selbst zustande gekommen ist.

Der ursächliche Faktor, der zur Verlagerung der Bandscheibe geführt hat, wird durch die Operation natürlich nicht beseitigt und wartet darauf, nach der Karenzzeit der Rekonvaleszenzphase sich erneut zu melden. Damit wird dann die Folgeoperation in die Warteschleife eingefügt.

So kommt es zu etwa 40.000 Operationen pro Jahr alleine in Deutschland und dies alle Jahre von neuem. Diese chirurgisch bedingten Invalidisierungen dienen im Anschluß der Unterhaltung einer ganzen Sparte von Reha- und Kureinrichtungen, die gleichfalls unnötig wären, würde die Therapie der Bandscheiben nicht am Ende sondern am Anfang der Kausalitätskette beginnen.

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Schmerz nach Unfällen

Während eines Unfallvorganges, gleich ob Sportunfall oder Autounfall, versucht der Körper mit allen Kräften die er hat, der Unfallgewalt entgegenzuwirken. Wenn die Kraft nicht reicht, dann kommt es zu Zerstörungen des Körpers, z.B. Knochenbrüchen.

Diese Gegenspannung, die während des Unfallherganges reflektorisch als Schutz installiert wurde, bleibt auch nach dem Unfall bestehen, sozusagen als Vorsorge für das nächste Mal. Diese reflektorisch aktiv installierte Spannung ist eine Funktion des muskulären Bindegewebes (Endomysium) und bleibt solange bestehen, bis dem Körper ein entsprechender Anlaß gegeben wird, sie wieder aufzulösen. Von alleine verschwindet sie nicht.

Wenn die eigentliche Verletzung längst verheilt ist, besteht diese Spannung immer noch und behindert exakt in der Richtung, aus welcher die Unfallgewalt auf den Körper eingewirkt hat, nun dessen freie Bewegung, und erzeugt exakt die gleichen Schmerzen, wie sie ursprünglich durch die äußere Gewalt hervorgerufen worden waren. Der Auslöser des Schmerzes liegt jetzt jedoch nicht mehr außerhalb des Körpers sondern innerhalb.

Nicht mehr die Verletzung macht den Schmerz, sondern die installierte Abwehrspannung. Diese Spannung als Funktion des Muskelbindegewebes ist in charakteristischer Weise ertastbar. Sie gilt es aufzulösen, um Schmerzen nach verheilten Verletzungen zu therapieren.

Solche Zusammenhänge findet man besonders typisch im modernen Sport, welcher sehr einseitig geworden ist.

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Psyche und Schmerz

Wenn ein Mensch dauerhaft unter Schmerzen leidet, nicht mehr schlafen kann, sich tagein tagaus an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit dahinschleppt, dann hinterläßt dies Spuren in seiner Psyche. Daraus zu folgern, daß der Schmerz überhaupt erst durch diese psychischen Veränderungen entstanden ist, entspricht einer Umkehrung der Verhältnisse.

Nur weil die Medizin nicht imstande ist, reale Ursachen für geklagte Schmerzen zu finden, wird die Ursache der Schmerzen in die Tiefen der Patientenpsyche verlagert. Der ohnehin bereits destabilisierte Patient wird zusätzlich noch mit allemal vorhandenen psychologischen Problemen befrachtet und in weitere Hoffnungslosigkeit getrieben.

Nach 20 Jahren einschlägiger Schmerztherapie und ca. 15.000 Schmerzpatienten habe ich keinen einzigen Patienten erlebt, der einen originär psychogenen Schmerz aufgewiesen hätte. Daß die psychische Grundkonstellation das Schmerzerleben modulieren kann, bleibt davon völlig unbenommen. Schmerzmodulation und Schmerzkausalität sind jedoch verschiedene Dinge. Schmerzverarbeitungstherapie ist keine Schmerztherapie.
Einem Patienten zu erklären, die Ursache seiner Schmerzen läge in seiner Psyche, bedeutet eine tiefe Ungerechtigkeit und Kränkung des Patienten.

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Schmerz macht Angst

Angst vor Gefährdung ist notwendig und berechtigt. Schmerz, der im Zusammenhang mit einer Schädigung aufgetreten ist, ruft die berechtigte und lebenserhaltende Angst vor Gefährdung hervor. Gefährdung kommt von außen.

Als Kind gewöhnt man sich daran, daß Gefährdung und Schmerz das gleiche ist. Der Schmerz erzieht einen dazu, Gefährdungen aus dem Wege zu gehen. Wenn im Erwachsenenleben dann Schmerzen auftreten, geht man unwillkürlich davon aus, daß irgendeine Gefährdung vorliegen müsse. Die Angst ist umso unerträglicher, je weniger eine Gefährdung sichtbar ist.

Schmerzen können im Körper jedoch ebenso entstehen, ohne daß äußere Einwirkungen vorliegen. Die hierbei gleichzeitig entstehende Angst suggeriert dann Gefährdungen, die nicht existieren. Die Mischung aus ungezielter Angst und Schmerz blockiert dann die natürlichen Reaktionen zur Selbstkorrektur.

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Bewegung und Schmerz

Wenn ein gebrochenes Bein eingegipst wird, ist der Schmerz weg, obwohl das Bein immer noch gebrochen ist. Ein Knie tut beim Laufen, Treppensteigen oder Springen weh, selten im Sitzen. Der Rücken schmerzt beim Aufrichten oder Bücken. Im Liegen ist der Schmerz meist weg. Wenn der Kopf weh tut, dann hält man ihn ruhig. Ein Tennisellbogen wird geschient.

Schmerzen verringern sich augenblicklich mit der Ruhigstellung, während der Körper immer noch der gleiche ist.

Kopfschmerzen und Migräne, Zahnschmerz, Nierenschmerz, Angina pectoris, Trigeminusneuralgie, Ischiasschmerzen..., jeder dieser Schmerzen kann durch Bewegung verstärkt werden. Die meisten Schmerzen verringern sich mit der körperlichen Ruhigstellung. Manche Schmerzen werden verstärkt. Wenn man es genau nimmt, ist es die Bewegung, die über Schmerz oder nicht Schmerz entscheidet.

In der Folgerung bedeutet dies, daß nicht der Körper weh tut, sondern die Bewegung. Nicht der Schaden an sich führt zur Schmerzwahrnehmung, sondern die Bewegung bei vorhandener Schädigung führt zum Schmerz.

Soll der Schmerz vom Prinzip her verstanden werden, ist es demnach notwendig, nach der Bewegung zu fragen, und nicht nach dem Schaden. Was ist bei gegebenem Schaden im Körper so verändert worden, daß Schmerz herauskommt? Welche Schäden führen zu Schmerz und welche nicht?

Sieht man den Schmerz als eigenständige Krankheit an, dann muß dieser folgerichtig als Krankheit der Bewegung definiert werden.

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Schlußbemerkung

Das Durcheinander in der Schmerztherapie ist die Spiegelung subjektivistischer Reflexe der Medizin, die hier den rationalen naturwissenschaftlichen Boden verlassen bzw. nie gefunden hat.

Die Auswahl von unverständlichen logischen Kurzschlüssen und Ungenauigkeiten ließe sich noch länger fortsetzen. Wenn dagegengestellt wird, wieviele professionelle Schmerzforscher weltweit sich mit der Thematik beschäftigen, dann kommt reines Unverständnis ob der vielen Unzulänglichkeiten auf.

Man stelle sich einmal - als reines Gedankenexperiment - vor, daß von heute auf morgen sämtliche Bandscheibenoperationen hinfällig wären. Welche Auswirkungen hätte dies für die Bevölkerung, die Volkswirtschaft und die Medizin. Welch immense Wirkung beinhalten die Irrwege der Medizin auf die gesamte Gesellschaft. Denn eines ist sicher: keine einzige der durchgeführten Bandscheibenoperationen ist gerechtfertigt.

In der Schmerztherapie kann und muß gründlich umgedacht werden.

Walter Packi
Facharzt für Allgemeinmedizin

Nov. 2000/Apr 05